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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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274
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274 Zweites Hauptstück. Von

rechnen. „Ja, säume nicht, Marien in jeder Tugend getreu-lich nachzufolgen," also ruft uns einer der ausgezeichnetstenPrediger der Neuzeit zu, der hochwürdigste FürstbischofHeinrich von Breslau; „uns liegt es, so zu sagen, näher,Mariens Tugenden nachzuahmen, als es ihr lag, u"s darinvorzuleuchten; denn der Gehorsam ziemt uns, den Dienerndes Herrn, eher als ihr, der Mutter des Herrn; die Demuthsteht uns Sündern bester an, als ihr, der mackellosen Jung-frau; die Buße thut uns Schuldigen eher noth, als ihr, diein Unschuld ihr Leben vollbracht; und so in Bezug auf alleandern Tugenden."

Fr. Wer faßt also die Verehrung Mariens falschund irrig auf?

Antw. Alle Diejenigen, die da glauben, es sei schongenug, wenn man täglich zur seligsten Jungfrau nur einpaar Ave Maria oder sonst ein Gebet verrichte; mankönne da gar nicht zu Grunde gehen, mag dann auchihr Leben beschaffen sein, wie immer.

Belehrung. Die so beseligende und heilbringende Ver-ehrung Mariens wird allerdings von Manchen übertrieben undirrig aufgefaßt, und zwar dadurch, daß sie glauben, sie thä-tcn für ihr Seelenheil schon genug, und könnten ewig nichtzu Grunde gehen, wenn sie täglich zur seligsten Jungfraunur ein paar Ave Maria oder sonst ein Gebet verrichteten,es möge dann im klebrigen ihr Leben beschaffen sein, wieimmer. In Betreff dieser falschen Verehrung Mariens schreibtwieder der berühmte Gcisteslehrer Scaramelli: „Gleich-wie unter den Münzen diejenigen am Leichtesten verfälschtwerden, welche den größten Werth haben, und unter denEdelsteinen jene, welche am Seltensten sind, ebenso unterliegtauch die Verehrung Mariens, da sie eines der vorzüglichstenMittel zur Erlangung der ewigen Seligkeit ist, vielen Fälsch-ungen der Bosheit der Menschen, welche sich von dieserVerehrung eine solche Idee bilden, die ebenso sehr ihrenNeigungen entspricht, als sie dem Geiste Mariens entgegenist; oder durch Zuthun des bösen Feindes, der den Gläu-bigen, um diese Verehrung für sie nutzlos zu machen, einenganz falschen oder verkehrten Begriff davon beizubringen sucht."

Beispiel und Anwendung. Zu dem bekannten Pre-diger Hnnolt kam einst ein leichtfertiger Jüngling, der denFreuden und Genüssen der Welt gierig nachjagte und sichdabei in Sünden und Lastern wälzte. Mit väterlichem Ernstemachte der fromme Prediger den unglücklichen Jüngling aufseinen traurigen Seelenzustand aufmerksam und ermahnte ihnzur Besserung seines Lebens. 4 Dieser aber lächelte und sprach:„Lieber Pater! ich bete ja alle Tage mein Gebet zur selig-sten Jungfrau Maria; die wird mich schon halten, daß ichnicht zu Grunde gehe, wenn ich auch noch so oft in Sün-den falle." Mit ernster Miene entgegnete der ehrwürdige

der Nachahmung Mariens.

Pater: „Du hast einen sehr irrigen Begriff, mein Sohn!von der Verehrung Mariens und von ihrer Hilfe. Dumeinst, sie wird dich halten, wenn du dich muthwilliger Weiseder Sünde in die Arme wirfst? Du Thor! Gehe hin undstürze dich von einer Brücke hinab in einen reißenden Stromund vertraue auf die Hilfe deiner am Ufer stehenden Mut-ter; stürze dich mitten in's Feuer hinein, und rufe deinenVater, daß er dich bewahre, damit du nicht verbrennest!Wenn du dich selbst immer auf's Neue in Sünden stürzest,und dadurch dir selber den Himmel stets mit neuen Riegelnversperrst, dann kann dir Gott selbst nicht helfen, erkann dich nicht selig machen, und Maria soll eine größereMacht haben, als der Schöpfer?" — Diese Worte nahmder Jüngling zu Herzen und ging in sich. Er verband vonnun an mit der Verehrung Mariens auch die treue Nach-ahmung ihrer Tugenden und begründete so sein zeitliches undewiges Glück. — Sündige also nicht, 0 Mensch! vermestent-lich auf Mariens Hilfe; denn diese Vermessenheit ist nichtweniger sündhaft, als jene, mit der wir auf Gottes Barm-herzigkeit sündigen.

Legende: Die heilige Iungfrau Zita, D i e n st-magd. (fl 1272.)

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Heute begegnet uns in der Legende eine Heilige, dienicht nur eine fromme Verehrerin, sondern auch eine treueNachahmerin Mariens war; denn wie Maria, so warauch sie eine wahre Dienerin des Herrn. Es ist dießdie heilige Jungfrau und Dienstmagd Zita. Sie wurdeim Jahre 1212 in Italien von armen, aber frommenEltern geboren. Schon mit zwölf Jahren trat das ein-gezogene, fleißige Mädchen in den Dienst bei einem Bür-ger, dessen Haus nahe an der Kirche des heil. Frigidianlag, wo sie volle 48 Jahre bis zu ihrem seligen Endeblieb. Hier war Zita das nachahmungswürdigste Mu-ster für Alle ihres Geschlechtes, und besonders für die