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Erstes Hanptstück. Einrichtung der wahren Kirche.
Fr. Warum hat Christus ein sichtbares Ober-haupt in seiner Kirche ausgestellt, da er ja selbst dasOberhaupt der Kirche ist?
Antw. Weil ein sichtbares Oberhaupt zur Er-haltung der Einheit und Einigkeit in der Kirche unum-gänglich nothwcndig ist.
Belehrung. Christus ist allerdings das Oberhauptder Kirche, aber das unsichtbare, und dieses ist und bleibter, so lange seine Kirche besteht. Allein er hat angeordnet,das; nach seinem Hingang zum Vater seine Kirche auch einsichtbares Oberhaupt haben müsse, weil dasselbe zur Er-haltung der Einheit und Einigkeit in der Kircheunumgänglich nothwcndig ist. „In einem Schiffe", sagt derheilige Hieronymus, „muß ein Steuermann, in einemHause ein Herr und in einem Kriegsheere ein Feldherr sein,auf dessen Wink sich Alles bewegt: ebenso muß auch in derganzen Kirche ein sichtbares Oberhaupt sein." Ganztreffend schreibt in dieser Beziehung auch der heilige Am-brosius: „Wenn Jemand den Einwurf macht, die Kirchesei mit Einem Oberhaupte und Bräutigam — Jesus Chri-stus zufrieden, und verlange außer ihm keines, so ist dieAntwort bereit und leicht. Wie wir Christus den Herrnnicht nur als Urheber der einzelnen Sakramente, sondern auchals innersten Ausspender haben (denn er ist es, der da taustund losspricht); und wie er dennoch Menschen zu äußernAusspendern der Sakramente bestellt hat; ebenso hat er auchder Kirche, welche er selbst mit seinem Geiste lenkt, einenMenschen als Vertreter und Vollzieher seiner Macht vorge-setzt. Da die sichtbare Kirche eines sichtbaren Oberhauptesbedarf, so hat der Erlöser den Petrus als das Oberhauptund den Hirten aller Gläubigen aufgestellt."
Beispiele und Anwendung. Die Nothwmdigkeit einessichtbaren Oberhauptes in der Kirche zur Erhaltung der Ein-heit und Einigkeit haben selbst manche Gegner der katholischenKirche anerkannt. Ich führe beispielsweise nur zwei Zeug-nisse an. Der gelehrte Protestant Pustkuchen schreibt:„Wenn cs der Zweck Jesu war, alle seine in der ganzenWelt zerstreuten Verehrer in Eine Gottesfamilie zu vereini-gen, so folgt daraus, daß diese sichtbare Gesellschaft auch einsichtbares Oberhaupt haben müsse; denn eine sichtbare Kircheohne sichtbares Haupt wäre ein halber, nicht ganzer Körper.Zu ihrem größten Nachtheile entbehrte die protestantische Kirchebis jetzt dieser, für jede Gesellschaft so höchst notwendigeBedingung. Daher jene vielen Spaltungen und Streitigkei-ten, welche gleich von ihrem ersten Ursprung an in derselbenüberhand nahmen und ihr den nahen Untergang drohten." —Selbst Melanchthon, Luthers Gehilfe, sah sich durch die großeUneinigkeit unter den Reformatoren genöthigt, in seinem Schrei-ben an Franzi., König von'Frankreich, einzugestehen:
„Wir erkennen vor allen Dingen, daß eine kirchliche Negie-rung eiwaS Heilsames ist; daß es, um die Hirten zu regie-ren, Bischöfe geben, und der römische Papst über alle Bi-schöfe sein müsse." — Mit bereitwilligem Herzen sollen wiruns daher dem sichtbaren Obcrhaupte der Kirche als treueKatholiken stets kindlich fromm unterwerfen, wohl erkennend,daß ohne dasselbe eine wahre Einheit und Einigkeit in derKirche nicht möglich sei. Wir ersehen dieß auch aus der Le-bensgeschichte des heiligen Papstes Simplicius, dessen Festheute in der katholischen Kirche gefeiert wird.
Legende: Der heilige Simplicins, Papst,tt 483.)
Dieser Heilige war gebürtig aus Tibur oder Ti-voli. Unter den heiligen Päpsten Leo und Hilariuswar er die Zierde der Geistlichkeit Roms und folgte da-her auch Letzterem auf dem Stuhle Petri nach i. I. 467.Damals nun zeigte es sich so recht deutlich, wie noth-wendig das sichtbare Oberhaupt in der KircheGottes auf Erden sei; denn es waren stürmische Zei-ten für die Kirche gekommen, und ihr Glaube war dengewaltigsten Anfällen ausgesetzt. Die Barbaren undFeinde der Kirche hatten nämlich einen großen Theil desAbendlandes mit dem Aberglauben des Heidenthnms undder Irrlehre angesteckt, und es wäre um die Kirche Got-tes auf Erden und um die Einheit im Glauben schlimmgestanden, wenn nicht Gott der Herr den heiligen Sim-plicius als sichtbares Oberhaupt derselben vorgesetzthätte. Dieser schützte mit aller Macht die Kirche Gottesund wachte über die Reinheit und Einheit im Glauben.Nachdem dieser Heilige über fünfzehn Jahre der Kirchemit der nnermüdeten Sorgfalt eines obersten Hirten vor-gestanden hatte, starb er im Jahre 483. Sein Leibwurde am 2. März in der Kirche zum heiligen Petrusbeigesetzt.