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Erstes Hauptstiick.
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deutlich genug über die Existenz des Fegfeuers aus.Schon im Buche der Machabäer lesen wir, daß Judas derMachabäer zwölftausend Drachmen nach Jerusalem sandte zueinem Sühnopfer für die Gefallenen; „denn," setzt der hei-lige Verfasser bei, „es ist ein heiliger und heilsamer Gedanke,für die Verstorbenen zu beten, damit sie von ihren Sündenerlöst werden." Dieses Gebet für die Verstorbenen setzt un-abweisbar den Glauben an einen Mittelzustand zwischen Him-mel und Hölle voraus; denn die seligen Geister sind des Ge-betes nicht mehr bedürftig, und den Verdammten in der Höllehilft es Nichts. Wenn also Judas dennoch für die GefallenenOpfer darbringen ließ, so mußte er doch an einen Reinig-ungsort geglaubt haben, in welchem den Verstorbenen durchGebet und Opfer die Peinen erleichtert und die Strafzeit ab-gekürzt werden können. Damit stimmt auch überein, wasChristus gelehrt hat. So spricht er bei Matthäus (5, 26.)von einem Kerker, aus dem man nicht eher herauskomme, alsbis der letzte Heller bezahlt ist. Sonach muß es einen Ortgeben, aus dem man wieder entkommen kann, wenn manseine Schuld, den letzten Heller abgetragen, abgebüßt hat;dieß aber ist offenbar die Hölle nicht, da aus ihr keine Er-lösung möglich ist. — Bei Matth. (12. Cap.) sagt Christus:
Vom Fegfeuer.
„Wer gegen den heiligen Geist sündigt, d. h. der erkanntenWahrheit widerstrebt und keine Buße wirkt, der erlangt wederin diesem noch im andern Leben Vergebung." So werdendenn im andern Leben noch Sünden vergeben. Im Himmelkann dieß aber nicht geschehen, wohin nichts Beflecktes eingeht(Offenb. 21, 27.) und keine Buße stattfindet; noch wenigerin der Hölle, woraus keine Erlösung ist; es geschieht also imReinigungsorte, wo man der göttlichen Gerechtigkeit fürgeringere Sünden noch genugthun und Vergebung erlangenkann. 2) Daß es ein Fegfeucr gebe, war auch stets Glau-benslehre der Kirche. Der heilige Gregor bekenntfrei und offen: „Ich weiß, daß nach diesem Leben Einige inden Reiuigungsflammen werden büssen müssen." Und schon Ori-gines drückte diese Glaubenslehre mit folgenden Worten aus:„Kommt der Mensch hinüber, und bringt er viele gute Werkemit, uud nur ein wenig Etwas von der Sünde, so wird die-ses Wenige als Blei durch das Feuer aufgelöst und gereinigt,und was übrig bleibt, ist Gold. Und je mehr Blei Jemanddorthin bringt, desto mehr wird er gebrannt." — In ähn-licher Weise sprechen und schreiben auch alle andern Väterund Lehrer der Kirche, wie z. B. St. Augustin, Ambrosius,Bernhard u. a. 3) Ja, unsere eigene Vernunft mußmit Freuden diese Glaubenslehre der Kirche vom Fegfeueranerkennen; sie muß ungefähr also denken und sprechen: „Danichts Unreines in den Himmel eingehen kann, so muß esdoch für Diejenigen, welche Gott gedient und nur in unbe-deutenden Dingen gefehlt haben, nach dem Tode einen Mittel-stand zwischen Himmel und Hölle geben. Oder sollte sie Gottmit den Lasterhaften in die Hölle verstossen? Allein dazu ister zu gerecht, zu barmherzig, zu sehr Vater, als daß er seineKinder, die sich rein von groben Sünden hielten, zu den ganzUnreinen, daß er Die, die Gott liebten, zu Jenen, die ihnhaßten, daß er Die, welche für den Himmel lebten, zu Jenen,die nur der Hölle dienten, daß er seine Freunde zu seinenFeinden verstossen sollte! Oder soll er sie mit den ganz reinenGeistern in den Himmel aufnehmen? Auch dieß würde seinerGerechtigkeit widersprechen, da sie noch nicht ganz rein sind.Mithin muß es einen Ort der Reinigung geben, in welchemsolche Seelen sich für die Herrlichkeit des Himmels allmähligläutern."
Beispiel und Anwendung. Was kann vernunftge-mäßer und für ein christlich fühlendes Herz tröstlicher sein,als die Lehre vom Fegfeuer? Gaume, ein berühmter Lehrerder Kirche in Frankreich, erzählt: „Ich kannte einen Lutheraner,den unser Glaube an das Fegfeuer katholisch machte. Erhatte während eines Festmahles einen theuern Bruder ver-loren, und qualvoll gedachte er unaufhörlich dieses so plötz-