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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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82
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Erstes Hauptstück. Jesus Christus ist der

Antw. Weil er uns als Gott erschaffen, und weiler uns als Erlö ser mit seinem kostbaren Blute erkauft hat.

Belehrung. Aus zwei Gründen also nennen wir Chri-stum „unfern Herrn": 1) weil er als Gott der Herrund Schöpfer des Himmels und der Erde, also auch unserHerr und Schöpfer ist; wir sind seiner Hände Werk; ihmgehören wir an; wie dem Töpfer das Geschirr gehört, daser gemacht, und dem Maler das Bild, das er gemalt, eben-so gehören auch wir Christo an, der uns als Gott erschaf-fen hat; er ist also unser Herr. 2) Hat er uns aber auchals Erlöser theuer erkauft, nämlich durch sein kostbaresBlut am Stamme des heiligen Kreuzes; sonach sind wir seinEigenthum, und er ist unser Herr; denn wer einen Skla-ven loskauft, ist Herr über denselben. Schon die Apostelnannten daher Jesum Christum ihren Herrn, und dergöttliche Heiland lobte dieses, indem er sprach: „Ihr nenntmich euern Herrn, und ihr habt recht; denn ich bin esauch." (Joh. 13 , 13 .)

Beispiel und Anwendung. O sa, Christus ist un-ser Herr! Ihm wollen wir daher dienen in all' unfern Ar-beiten und Leiden — all' die Tage unseres Lebens; mit je-nem armen Mädchen von Genua wollen wir ausrufen:„Ich will keinen andern Herrn haben, als JesumChristum." Dieses arme Kind wurde nämlich in früherJugend von Seeräubern anfgefangen und mehrere Male alsSklavin verkauft. Zuletzt gerieth es in die Hände eines wil-den, unbarmherzigen Mannes, der es eines Tages so schreck-lich schlug, daß es wie todt liegen blieb. Aber nach einerWeile kam es wieder zur Besinnung und raffte sich geradein dem Augenblicke auf, als der hochwürdige Herr Dupuch,Bischof von Algier, in die Stadt einzog. Das arme Mäd-chen sieht diesen Mann Gottes, eilt auf ihn zu und wirftsich vor ihm nieder mit den Worten: „Sei mein Vater, undich will deine Tochter sein!" Der Bischof erbarmt sich derVerlassenen, hebt sie auf und läßt sie der Fürsorge von Klo-sterfrauen anheimgeben, die sich mit ihrer Erziehung im Chri-stenthume befassen. Nach wenigen Tagen verlangt sie dieTaufe, um in den Schooß der christlichen Kirche ausgenommenzu werden. Zuvor aber wünschte der Bischof, sich von derAufrichtigkeit ihrer Bekehrung zu überzeugen, und ließ sie zusich bescheiden. Kaum bei ihm angelangt, ergreift sie einCruzifix, drückt es an ihr Herz und ruft wiederholt mit gros-ser Wärme aus: „Ich will keinen andern Herrnhaben, als Jesum Christum." Dann berührte sie denRing der Bischofs und sagte tief bewegt: „ Gleichwie Sie immerdiesen Ring am Finger tragen; gleichwie Sie ihn erfassenund nach allen Richtungen hinwenden, so will auch ich wieein Ring am Finger Gottes sein, wenn ich durch das Badder heiligen Taufe wiedergeboren bin." — Was wirst du ant-worten, mein Christ! wenn dich Gott einst diesem Mädchengegenüber stellen wird? Gott gebe, daß auch du diesen Wil-len und Entschluß haben mögest! Gott gebe, daß auch du

eingeborne Sohn Gottes und unser Herr.

wie ein Ring am Finger Gottes seiest, und dich freudig sei-nem heiligen Willen und seinen Fügungen unterwerfest, be-denkend, daß Christus der Herr, und du sein Diener seiest.Legende: Der heilige Petrus Nolaskus, Or-densstifter. ('s 1256.)

Der heilige Pe-trus, Stifter des„Ordens der seligstenJungfrau Maria vonder Erlösung der Ge-fangenen, "wurdet 189zu Maas in Frankreichaus der adeligen Fa-milie der Herren vonNolasko geboren, diesich in jener Zeit ganzbesonders durch Fröm-migkeit anszeichnete.

Schon von Jugend aufhatte er eine besondereLiebe zu den Armenund zu den Unglück-lichen, die in der Ge-fangenschaft der Un-gläubigen, der Muha-medaner und der Albi-genser schmachteten, und mit dankerfülltem Herzen an diegränzenlose Liebe des göttlichen Heilandes gedenkend, deruns Alle mit seinem kostbaren Blute ans derGefangenschaft des bösen Feindes loskaufteund dadurch unser Herr und Erlöser wurde,wollte auch er ein Erlöser der Gefangenen werden undopferte diesem edlen Zwecke nicht nur sein ganzes Ver-mögen und Leben, sondern gründete auch den obengenann-ten Orden zur Erlösung der Gefangenen. — NachdemPetrus 31 Jahre diesem seinen Orden vorgestandeu undwährend dieser Zeit Tausende von Gefangenen erlösthatte, kam endlich auch für ihn der Tag der Erlösung,zwar nicht aus der Gefangenschaft der Ungläubigen, sondernaus den Banden des Fleisches, um in den ewigen Woh-nungen den Lohn für die guten Werke zu empfangen, die ersich während seiner Pilgerschaft gesammelt hatte. Er ver-schied in der heiligen Nacht des Jahres 1256. Seine Hei-ligsprechung geschah im Jahre 1628 vom Papste Urban VIII.

Gebet. Göttlicher Herr und Heiland, Jesus Chri-stus! mit freudigem Herzen glauben und bekennen wir,daß du bist der eingeborne Sohn Gottes und unser Herr.Nimm hin unfern Dank für deine unendliche Liebe, mitder du uns erschaffen und erlöset hast, und gib, daß auchwir mit gleichem Eifer, wie St. Petrus Nolaskus, dieGefangenen zu erlösen suchen, besonders Jene, die daschmachten in der Gefangenschaft der Sünde und im qual-vollen Kerker des Reinigungsortes. Amen.