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Erstes Hauptstück. Von der Nothwendigkeit des Glaubens und von dem allein wahren Glauben.
fließen kann, so kann das christliche Leben und jede andere Tugendnicht gedeihen, sich nicht aufbauen und zur Quelle des ewigenLebens werden, wenn dasselbe nicht vom Glauben ausgeht."
Beispiel und Anwendung. Diese Nothwendigkeit desGlaubens zur ewigen Seligkeit soll dir, mein Christ! ausfolgender Parabel noch deutlicher werden. Es machten einmalZwei eine Reise miteinander; der Eine hatte ein paar hun-dert Goldstücke bei sich, der Andere nur eine Flasche Weinund Brod. Da kamen sie denn in eine große Wüste, in derman auch für theueres Geld Nichts haben konnte. Gernehätte der Eine all sein Geld hingegeben, wenn er ein GlasWasser und einen Bissen Brod hätte bekommen können; alleiner mußte sammt seinem Gelbe Hungers sterben, während derAndere vom Hungertode gerettet wurde. — Gerade so ist esauch mit dem Glauben. Es mag einem die halbe oder meinet-wegen auch die ganze Welt gehören, wenn man den Glauben,den wahren, christlichen Glauben, nicht hat, so geht mansammt seinem Geld und Gut ewig zu Grunde; denn ohneden Glauben ist es unmöglich, daß man Gott gefalle. Washilft dem Menschen seine unsterbliche Seele, was helfen ihmalle Fähigkeiten und Anlagen, was helfe ihm selbst das Blutdes Erlösers, wenn ihm der Glaube fehlte? Ohne Glaubenist es unmöglich, Gott zu gefallen. — Diese Nothwendigkeitdes Glaubens erkannten alle heiligen Märtyrer; darum opfertensie so bereitwillig ihr Leben hin — einzig und allein um desGlaubens willen, und darum sollst auch du, o Christ! lieberAlles hiugeben, als deinen heiligen Glauben verlieren!
Fr. Macht jeder Glaube selig?
Antw. Nein; nur der wahre Glaube, den Christusder Herr uns gelehrt hat, macht selig.
Belehrung. Also nicht jeder Glaube macht selig, son-dern nur der wahre Glaube, den Christus der Herruns gelehrt hat, dem Ausspruche des heiligen Johannesgemäß (Joh. 3, 36.): „Wer an den Sohn glaubt, der hat dasewige Leben; wer aber dem Sohne nicht glaubt, der wird dasLeben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt überihm." — Mit Recht sagt daher schon der heilige Igna-tius: „Irret nicht, meine Brüder! wenn Jemand in einemandern Glauben wandelt, so wird er das Reich Gottes nichterben. Denn ohne diesen Glauben können wir keinen An-theil an Christus haben; ohne Christus aber ist kein Heil zuhoffen; es ist ja kein anderer Name unter dem Himmel denMenschen gegeben, wodurch wir selig werden sollen." Wiesündhaft ist es also, zu sagen oder auch nur zu denken, aufden Glauben komme es nicht an, es sei einerlei, was füreinen Glauben man habe; denn man verachtet dadurch Gott,der uns den einen wahren Glauben gegeben und seinen einge-bornen Sohn deßwegen in die Welt gesandt hat!
Fr. Wo finden wir aber diesen wahren Glauben,den Christus gelehrt hat?
Antw. Diesen wahren Glauben finden wir nur inder katholischen Kirche; denn nur sie hat diesenGlauben als ein ihr anvertrautes himmlisches Gut vonChristus selbst durch die Apostel empfangen und stetsunverfälscht bewahrt.
Belehrung. Die katholische Kirche allein besitzt denwahren Glauben; denn sie hat ihn von Christus selbstempfangen. Alle andern Religionssekten können ihre Glau-benslehre nicht von Christus empfangen haben, weil sie erstlange nach Christus entstanden sind; bei jeder derselben wissenwir den Namen ihres Gründers, die Zeit, wann, und denOrt, wo sie entstanden sind; mit Tertullian können wirihnen zurufen: „Wir wissen es schon, von wannen ihr seid.Ihr seid Alle von gestern." Nicht so ist es bei der katho-lischen Kirche; sie hat ihre Glaubenslehre nur von Christusempfangen, sie hat dieselbe auch stets unverfälscht bewahrt.Oder ist es nicht wahr? Wohlan denn, so trete Jemand auf —auf dem ganzen weiten Erdenrunde und nenne den Mann,der diesen ewig wahren Glauben aus der katholischen Kirchehinweggenommen oder ihn verfälscht habe, und nenne den Ort,wohin dieser ewig wahre Glaube gebracht wurde! Wahrlich,kein Mensch wird diesen Beweis zu liefern im Stande sein.Und noch Etwas will ich dir sagen, mein Christ! Siehe,schon gegen 2000 Jahre besteht der katholische Glaube. Istes aber auch nur ein einziges Mal erhört worden, daß einwahrer Katholik auf dem Todbette ein Bedürfniß und einVerlangen nach einem andern Glauben gefühlt hätte? Nein,nie ist dieses erhört worden, und ich darf für diese Behaupt-ung keck die ganze Geschichte zum Zeugen aufrufen. Gar oftund vielfach hat man hingegen gehört, daß Andersgläubigeauf dem Todbette die Unzulänglichkeit und Falschheit ihres bis-herigen Glaubens eingesehen, daß sie, um ruhiger und ge-troster sterben zu können, ein Bedürfniß und ein Verlangennach unserm Glauben gefühlt, und daß Viele davon wirklichnoch zu unserm Glauben übergetreten sind, und nach ihremUebertritte harrten sie ruhig und getrost ihrer Auflösung ent-gegen. Spricht nicht diese einzige Thatsache laut und nach-drücklich genug für die Wahrheit, daß nur in der katholischenKirche der wahre Glaube zu finden sei, nicht aber bei denvon der katholischen Kirche getrennten Sekten? Darum ruftuns der heilige Hieronymus zu: „Gehet nicht hinaus undglaubet es nicht, daß des Menschen Sohn in der Wüste derHeiden sei oder in den geheimen Gemächern der Ketzer, sonderndaß sein Glaube vom Aufgang bis zum Niedergänge in derkatholischen Kirche leuchtet."
Beispiele und Anwendung. Die katholische