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6 (1852) Die Gruendung Prags
Entstehung
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Als ich es unternahm, die Aufgabe dieses Gedichts in dem Tonund der Gesinnung, welche es bezeichnen,, zu lösen,, ward es nöthig,mir den Weltzustaud, in welchem meine Handlung vorgehen sollte,entweder durch historische Erkenntniß, oder durch poetische Constructionzugänglich und reich genug zu erschaffen, um meiner Handlung einenHimmel und eine Erde zu geben. Mein Gegenstand gehört unter dieJugeudträume der Geschichte, und wie er also selbst auf seiner histori-schen Stelle in das Reich der Phantasie fällt, habe ich ihn einergewissenhaften historisch-wahren Zeichnung und Bekleidung um so mehrnoch entziehen dürfen, als sie ihm von seiner eigenen Natur versagt ist,und es dem Dichter ewig erlaubt war, selbst den rein historischenGegenstand in einer idealeren Widerspiegelung als Gedicht zu gestalten,wenn er das Talent, seine Aufgabe in ihrer Ganzheit so steigern zukönnen, sich zutraut und beurkundet. Meine Personen bewegen sichalso in einer idealen Zeit, welche als eine slavische bezeichnet ist. DieHeldinnen sind mir von der Sage als mit göttlichen Künsten begabteSibyllen übergeben, und indem sie so auf einem Glaubenssystemewurzeln, das sowohl durch das Christenthum vernichtet ist, als esauch keine allgemeiner gewordene rein menschliche Beziehung durchKunstwerke auf uns erhalten hat, würden sie für die Empfindung desLesers ganz leere Formen ohne Interesse bleiben, wenn ich nichtversucht hätte, die wenigen fragmentarischen slavischen Mythen, diemir in meiner Lage vergönnt waren, so sehr ich es vermochte, inNaturdichtnng zurück aufzulösen, damit diese Fabeln, dem Leser symbo-lische Figuren der Rede der Handelnden, und wenigstens so sehr seineeigenen Götter werden konnten, als die Wahrheit der Leidenschaft indem Gedichte ihn rühren kann. Der Gegensatz der guten und bösen,weißen und schwarzen Götter, der sich in vielen Glanbenssystemenwieder findet und aller menschlichen Borstellungsweise angemessenscheint, habe ich dadurch lebendiger darzustellen gesucht, daß ich meinen

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