Es engt der Raum, zur Höhe treibt Gewalt,
Schon ragt am Berg der Schlösser hohes Chor,
Sie jauchzen lichtstolz in der Sonnenhelle:
„Prag, Prag, du unsres Glanzes Ehrenschwelle!"
Schon fasset sie nicht mehr des Thales Bucht,
Schon wehret ihr nicht mehr des Flusses Macht,
Und wie der Bergstrom wachsend Eb'ne sucht,
Dringt jenseits sie; der Wälder tiefe Nacht,
Sie neigt sich ihr; der Fläche stolze Frucht,
Die weite Stadt, zum blauen Himmel lacht,
Und grüßt hinüber zu den Schlössern helle:
„Prag, Prag liegt hier vor seines Thrones Schwelle!"
Ja, wie des Bergstroms Sohn, der blanke See,
Liegt sie gebreitet in der Sonne Glanz,
Und wie versteintc Wogen ringsum sehIch stolzer Schlösser, hoher Tempel Kranz.
Es braust das Volk, und rauscht in Wohl und Weh';Es tost die Stadt in Lust und Wafsentanz,
Und Mancher singt auf des Geschickes Welle:
„Prag, Prag, du meines Glückes reiche Schwelle!"
Sieh! auf dem Schloß erglänzet eine Krone,
Und wie ein Königsmantel weit ergießt
Die goldne Stadt sich von des Berges Throne;
Um ihn als ein gestirnter Gürtel fließt
Die Moldau ernst, und Heil der Nachwelt Sohne,
Der mit der Brücke Demantschloß ihn schließt!
Durch Siegesbogen lobstngt laut die Welle:
„Prag, Prag, du meines Heils umpalmte Schwelle!"