Druckschrift 
6 (1852) Die Gruendung Prags
Entstehung
Seite
389
Einzelbild herunterladen
 

389

W lastn.

Dich seh ich an des Traumes blut'gem Saum!

Ln p a ck.

Weh mir, sie ist in Wahnsinn ganz versunken!

Libuss a.

Wlasta, ich mahne dich, bei deinem Eid,

Vermehre nicht um dich mein bittres Leid,

Zerreiße nicht dich selbst, mit wildem Wahne,

Tritt zu mir her, und ehre deine Fahne!

Gedenk der frühen Liebe unsrer Jugend,

Gedenk vereinten Kampfs, vereinter Lust,

Und tilge nicht das Abbild deiner Tugend,

Mit ekler Raserei aus meiner Brnst.

Wlasta (ernst gerührt).

Libussa, Seherin, du kennst die Stunden,

Wo Zukunft in dem Hinterhalte lauert,

Und wo des Menschen Geist vorahnend trauert;

Du kennst die Zeit, wo gleich dem Blut aus Wunden,

Die Zukunft aus dem Hinterhalte dringt,

Die Gegenwart gespenstisch mit ihr ringt.

Wer diesen Kampf bestand, hat überwunden,

Der lacht nicht mehr, der weinet auch nicht mehr,

Und träfe ihn das Leid auch noch so schwer.

Dem locket nimmer freudig sich das Haar,

Der einmal lebend schon begraben war.

Ich, die nun das Entsetzliche gesehn,

Kann unentsetzt bei deiner Fahne stehn. (Sie tritt zur FahnenLibussa.

Gab Zwratka dir nicht einen Zaubertrank?

W l a st a.

Sie gab mir einen Trank, denn ich war krank;

Sie wollte in die Höhle mich verschließen,

Doch meine Flügel sich nicht halten ließen;