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6 (1852) Die Gruendung Prags
Entstehung
Seite
310
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Libussa.

Ich that allein, was mir der Traum befahl,

Die Wahl der Götter war auch meine Wahl.

Selbst Wlasta's Zorn lag in der Götter Rath,

Was sonst wohl trieb sie zu so rascher That?

Stratka.

Das Mitleid und die Treue selbst für dich,

Die Treue für uns all, Mitleid für sich.

Libussa.

So? glaubst du so? dann fühlt sie, wie mein Herz,

Dann schrie aus Wlasta's Brust Libussa's Schmerz!

Ich kann nicht gen die finstern Götter streiten,

Der Zorn des Tags verheißet blut'ge Zeiten.

O Hochzeit! hohe Zeit! du bist voll Tücken,

Im Antlitz trägst du Huld und Kampf im Rücken,

Die Jungfrau tanzt, es geht das Weib auf Krücken;

Du armes Bölklein Chech's, du mußt dich bücken,

Die Liebe schlägt dem Leide Rosenbrücken,

Des Eifers Eisgang reißet sie zu Stücken,

Im Blut ertrinkt das irdische Entzücken:

Kommt, folget mir, den schönen Tod zu schmücken!

(Sie wird von den Dirnen unter dem Gcsnnge hinangeleitet:)

Traure nur, traure nur, du schöne schöne Braut,

Deine guten Tage sind nun alle alle aus!

Geh' geschmücket in die Noth,

Wie das Lamm zum Opfertod!

Chor.

Dein Schleicrlcin weht, dein Schleierlein weht,

Die Thränen des Thaues, die weinest du zu spät!