Druckschrift 
2 (1831)
Entstehung
Seite
174
Einzelbild herunterladen
 

174

minderem Grade der Fall ist. Die Jochbeine springen ebe»so stark hervor als bei den Mongolen. Eine charakteristischeAehnlichkeit besteht auch in der Richtung der Augen, imHaar und in dem geringen Bart. Man muß zugeben, sagtHumboldt, daß die menschliche Gattung keine, einander sichmehr nähernden, Nacen zeigt, als die americanischen, die mon-golischen, die der Mant chu's und der Malajen, ohne daßdeßwegen die Aehnlichkeit einiger Züge eine Identität derNacen constituirt. Eben so fiel den bayerischen Reisenden,Spix und Martins, die Aehnlichkeit der brasilianischen In-dianer mit den Chinesen auf.

Aeußerst merkwürdig ist die überaus große Mannichfaltig-keit der Sprachen, welche im neuen Continent gesprochen wer-den; man darf deren, nach Humboldt, ohne Uebertreibungmehrere hundert annehmen. In dem, sonst Spanien unter-worfenen, Königreich von Mexico zählt Humboldt über zwan-zig Sprachen ans, welche keineswegs bloße Dialecte einereinzigen Sprache find, sondern die mindestens eben so ver-schieden sind, als die griechische von der deutschen, oder dasFranzösische von dem Polnischen. Vierzehn dieser mexikani-schen Idiome haben bereits ziemlich vollständige Sprachlehrenund Wörterbücher. Es herrscht also hier im neuen Conti-nent eine viel größere Mannichfaltigkeit, als im alten. Dem-ungeachtet findet man zwischen den verschiedenen Sprachenvon America eine Analogie in der inneren Structur, welchedieselben zu einer Familie zu verknüpfen scheint, gleichwie sichdie meisten europäischen Sprachen, mit dem Persischen undSanscrit, zu einer Gruppe verbinden. Die Muttersprachenvon den Esquimaux bis zum Oronoco, und von der Linie biszur Magellansstraße, in ihren Wurzeln völlig verschieden,tragen nach Humboldt eine und dieselbe Physiognomie, undin den auögebildetsten, wie in den rohsten, zeigt sich einestrenge Verwandtschaft in dem grammatischen Bau. Dnpon-ceau bestätigt diese Analogie, und nach ihm sind die america-nischen Sprachen im Allgemeinen reich an Worten und angrammatischen Formen, und in ihrem zusammengesetzten Bauherrscht die größte Ordnung und Regelmäßigkeit. In Bezug