96
übergehe», und daß im Frühjahr daS Treibeis gewöhnlich bisin den Monat Mai bleibe. Strabo erwähnt, daß die Wein-reben im Winter in die Erde gegraben würden in den Län-dern nördlich am euxinischen Meere, um sie gegen den Frostzn schützen. Thcophrast gibt Nachricht von si achtlosen Ver-suchen, Myrte und Lorbeer zu pflanzen. Auch in gegenwär-. tiger Zeit kommt weder die Myrte, noch der Lorbeerbar»,dort fort und die Olivenbaume gedeihen blos in den Thälmider.Krim, welche sich nach Süden öffnen. Man sieht ansdiesen Angaben, wie wenig sich der Stand der Dmge zwi-^ schcn Sonst und Jetzt geändert hat.
Alle die angegebenen Thatsachen beweisen mit einemGrade von Wahrscheinlichkeit, wie es menschliche Untersuchun-gen nur haben können, daß seit zwei bis dreitausend Jahrensich daS Clima des uns genauer bekannten ThcilS der Erd-oberfläche nicht merklich verändert hat; hat eine geringe Ver-änderung statt gefunden, so kann man nur anuehmen, daß Eu-ropa ein um etwas milderes Clima bekommen hat; Süd - undMitteleuropa, Deutschland, Frankreich und England scheine»sonst etwas rauher gewesen zn sein; die verbesserte Beschaffen-heit ist wohl nur in localen Verhältnissen, im AuSrotten derWälder, im Austrocknen von Seen und Sümpfen, nicht in ein»besonderen Veränderung der Atmosphäre oder der astrom->mischen und geologischen Verhältnisse zu suchen. Dies; be-weist mit Entschiedenheit, wie irrig die oben angeführte An-nahme BouöS ist, welcher die Sündfluth oder allgemeineUeberschwcmmung der Erde läuguet und zu einer so unhali-baren Hypothese von der allmähligen Wärmeabnahme anfder Erde seine Zuflucht nimmt. Seit jener großen Catastro-phe und einer damit verknüpften plötzlichen Temperaturver-änderung der gemäßigten und kalten Zone trat keine bedeu-tende Storung mehr in den nachsündfluthlichen oder histori-schen Zeiten ein. Wie eS seit etwa 5000 Zähren auf der Erdkgewesen ist, wird es auch bleiben, bis zum Tage der Zukunft,wo der gegenwärtige Stand der Dinge sein Ende nehme» undein neues, schöneres Zeitalter beginne» wird.