hinzusetzen können, auf seinem Buckel Raum für die gerechtenZüchtigungen, die er deßwegen erhalten wird.
Ich glaube, man treibt in unsern Tagen die Geschichteder Wissenschaften zu minutiös, zum großen Nachtheil der Wis-senschaft selbst. Man liest es gerne, aber wahrlich es läßt denKopf zwar nicht leer, aber ohne eigentliche Kraft; eben weil'esihn so voll macht. Wer je den Trieb in sich gefühlt hat, seinenKopf nicht anzufüllen, sondern zu stärken, die Kräfte und An-lagen zu entwickeln, sich auszubreiten, der wird gefunden haben,daß es nichts Kraftloseres gibt, als die Unterredung mit einemso genannten Literator in der Wissenschaft, in der er nicht selbstgedacht hat, aber tausend historisch - literärische Umständchcn weiß.Es ist fast als wie Vorlesung aus einem Kochbuch, wenn manhungert. Ich glaube auch, daß unter denkenden, ihren eigenenund der eigentlichen Wissenschaft Werth fühlenden Menschen dieso genannte Literärgeschichte nie ihr Glück machen wird. DieseMenschen raisvnniren mehr, als sie sich darum bekümmern, zuwissen, wie andere Mensche» raisonnirt haben. WaS das Trau-rigste bei der Sache ist, so findet man, daß, so wie die Steigungan litcrärischcn Untersuchungen in einer Wissenschaft wächst, dieKraft zur Erweiterung der Wissenschaft selbst abnimmt, alleinder Stolz auf den Besitz der Wissenschaft zunimmt. Solche Leuteglauben sich mehr im Besitz der Wissenschaft selbst zu sein, alsdie eigentlichen Besitzer. Es ist gewiß eine sehr gegründete Be-merkung, daß wahre Wissenschaft ihren Besitzer nie stolz macht,