Wachen mehr ausgegeben, als eingenommen wird; und dieserÜberschuß läßt sich, wie alle Erfahrung lehrt, im Wachen nicktersetzen. Was ist das? Was ist der Mensch im Schlaf? Erist eine bloße Pflanze; und also muß das Meisterstück der Schö-pfung zuweilen eine Pflanze werden, um einige Stunden amTage das Meisterstück der Schöpfung rcpräsentiren zu können.Hat wohl Jemand den Schlaf als einen Zustand betrachtet, deruns mit den Pflanzen verbindet? Die Geschichte enthält nur Er-zählungen von wachenden Menschen; sollten die von schlafendenminder wichtig sein? Der Mensch thut freilich alsdann wenig, abergerade da hätte der wachende Psychologe am meisten zu thun.
Die Nerven spitzen sich gegen das Ende zu, und machendas aus, was wir sinnliche Werkzeuge nennen. Es sind dieEnden, die nach außen stehen, und die Eindrücke der Welt ein-sangen. Diese sind vermuthlich ohne unser Wissen beschäftigt,und beständig wach. Es gibt also bei dem Menschen, von derSpitze der Nervenfasern an nach innen zu gerechnet, eine Schicht,die beständig in Arbeit ist, und vermuthlich, während sie inArbeit ist, der Seele Begriffe zuzuführen, nicht auch in Arbeitsein kann, sich selbst zu erhalten und das Verlorne zu ersetzen.Diese Theile ruhen also in dem Zeitraume des Ersatzes. Wirscheinen nur zu fühlen, wenn wir wirken, nicht wenn wirfür die Wirkung sammeln. Was wir dann empfinden, ist viel-leicht bloß Empfinden des Wohlbefindens. Es wird nicht zu Ge-danken, es ist bloß Gefühl von Stärke, oder doch Gemächlichkeit.
Unsere ganze Geschichte ist bloß Geschichte des wachenden