Druckschrift 
1 (1844)
Entstehung
Seite
21
Einzelbild herunterladen
 

21

der Fehlcr selbst bet mir erweckte. So sehr viel mehr galt beimir der Professor, als der Mensch. Der Himmel führt seineHeiligen wnnderlich.

Mein Körper ist derjenige Theil der Welt, den meine Ge-danken verändern können. Sogar eingebildete Krankheitenkönnen wirkliche werden. In der ganzen übrigen Welt könnenmeine Hypothesen die Ordnung der Dinge nicht stören.

Ich hatte in meinen Universitätsjahren viel zu viel Frei-heit, und leider etwas überspannte Begriffe von meine» Fä-higkeiten, und schob daher immer auf, und das war meinVerderben. In den Jahren 1763 bis 1765 hätte ich müssenangehalten werden, täglich wenigstens sechs Stunden, dieschwersten und ernsthaftesten Dinge zu treiben (höhere Geome-trie, Mechanik und Integralrechnung), so hätte ich es weitbringen können Auf einen Schriftsteller habe ich nie studirt,sondern bloß gelesen, was mir gefiel, und behalten, was sichmeinem Gedächtniß, gleichsam ohne mein Zuthun, wenigstensohne eine bestimmte Absicht, eingedrückt hat. Weil ich aberdennoch eine gewisse Selbstbeobachtung über mich ausgeübthabe, so kann ich vielleicht in der kurzen Zeit, die ich noch zuleben habe, dadurch nützlich werden, daß ich lebhaft und mitKraft Andern sage, was sie nicht thun müssen.

Ich habe mirs zur Regel gemacht, daß mich die aufge-hende Sonne nie im Bette finden soll, so lange ich gesundbin. Es kostete mich nichts, als den Entschluß; denn ich habees bei Gesetzen, die ich mir selbst gab, immer so gehalten, daß