Otto (König von Griechenland) 396
der Regentschaft, dem Hofstaate und den Gesandten von England, Frankreich undRußland, in feierlicher Audienz empfing und sich von ihr im Namen des griechi-schen Volkes den Huldigungseid leisten ließ. (Adressen und Anreden: „AllgemeineZeitung", 1832, B. Nr. 292 und 293.)
Während hierauf in den folgenden Tagen die Deputation durch Festlichkeitenund Ehrenbezeigungen aller Art ausgezeichnet wurde, betrieb man die Vorberei-tungen zur Abreise der Regentschaft und des Königs mit Eifer. Man war zwarWillens, spätestens in den ersten Tagen des Nov. abzureisen; allein bald wardman inne, daß die vielen Vorbereitungen in so kurzer Zeit nicht erledigt werdenkonnten. Namentlich zeigten sich bei der Anwerbung und Ausrüstung des ver-tragsmäßig mit nach Griechenland zu nehmenden Truppencorps von 3500Mann unvorhergesehene Schwierigkeiten Der Plan war, daß das für denDienst des Königs Otto bestimmte Truppencorps aus vier Bataillons Infante-rie, sechs Schwadronen Cavalerie, vier Compagnien Artillerie und einer Com-pagnie Ouvriers bestehen sollte, und da es dabei natürlich darum zu thunwar, eine Auswahl bereits gedienter Leute zu gewinnen, so erließ das Kriegsmini-sterium unter dem 9. Oct. an die verschiedenen Eorpscommandanten ein Reskript,worin sie aufgefodert wurden, den ihnen untergebenen Truppenabtheilungen diebeifolgenden ziemlich vortheilhaften Bedingungen bekannt zu machen, unter wel-chen es den Offizieren, Unteroffizieren und Gemeinen der bairischen Armee gestat-tet sein sollte, in die Diensie des Königs von Griechenland zutreten. (Reskriptund Bedingungen: „Allgemeine Zeitung", 1832, außerord. B. Nr. 412 u. 414.)Jedoch fanden sich auch hierbei mehr Weitläufigkeiten und weniger Conscriptions-lustige als man erwarten und wünschen mochte. Viele, welche in das griechischeTruppencorps einzutreten Willens gewesen sein mögen, wurden wahrscheinlichdurch die Vorstellungen Anderer von den Schwierigkeiten des Marsches und desDienstes in Griechenland davon abgehalten; denn schon am 24. Oct. untersagteein königliches Rescript jede Verhinderung der beabsichtigten Werbung, welche na-mentlich auch von den Oberossizieren der Regimenter ausgegangen zu sein scheint. -Genug, um die Abreise der Regentschaft und des Königs nicht durch die Aus-rüstung jenes Truppencorps zu lange zu verzögern, wurde schon im Oct. der Be-schluß gefaßt, vorläufig eine dem vertragsmäßig zu bildenden Truppencorps gleich-kommende Abtheilung der bairischen Armee auf so lange für den Dienst des Kö-nigs von Griechenland zu bestimmen, bis sie durch die zu werbenden griechischenTruppen ersetzt werden könnten. Bereits unter dem 22. Oct. wurden von Seitendes Kriegsministeriums deshalb an die hierzu ausgewählten Regimenter die nö-thigen Befehle erlassen, und obgleich sich hier und da gegen die Rechtmäßigkeiteiner solchen Truppensendung bedenkliche Stimmen äußerten, so wurden dochim Laufe des Nov. sämmtliche nach Griechenland bestimmte Truppen mobilgemacht, und erhielten die Weisung, auf verschiedenen Marschrouten alle zwischendem 20. und 28. Dec. in Triest einzutreffen, von wo aus sie auf Schissen der Al-lianz nach Griechenland eingeschifft werden sollten. Das Obercommando der nachGriechenland beorderten Truppen erhielt Generalmajor von Hertling als Divi-sionscommandant, und unter den übrigen commandirenden Offizieren befand sichauch der Bruder der Königin von Baiern, Prinz Eduard von Sachsen-Altenburg.Als oberste Behörde harte das Truppencorps fortwährend das Kriegsministeriumzu München zu betrachten, und überhaupt waren über seine Stellung, Besoldung,Dauer seiner Abwesenheit und einstige Rückkehr in dem am 1. Nov. zwischen denKronen Baiern und Griechenland abgeschlossenen und am 9. Dec. genehmigtenAllianzvertrage so bestimmte Grundsätze und Normen aufgestellt, daß weitere Be-denklichkeiten nicht wohl erhoben werden konnten. 'Außerdem enthielt jener Vertrageine gegenseitige Gewahrleistung der beiden Kronen zugehörigen Lande, mit Vcr-