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Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
374
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374 - Oltmer

Während dieser.Aeif war eu zugleich wit mehren Privatbauen beschäftigt und wmde1820 nach Lechzig.berufen, um in kurzer Zeit das Innere des Stadttheaters umzu-gestalten. In derselben Zeit ward er nach Hamburg eingeladen und entwarf befrie-digende Plane zu einem neuen Theater, deren Ausführung aber durch den Bau derSingakademie vereitelt wurde, der ihn zu sehr an Berlin fesselte. Auch in Dresdenward er wegen des Ausbaues des großen Opernhauses 1826zuRathe gezogen; dochblieben seineEntwürfe unausgeführt, da man bald, einstimmig mit O.'s Anficht, einenNeubau für zweckmäßiger hielt. Als Künstler anerkannt, trat O. nach der Voll-endung der Singakademie im Frühling 1827 über Paris die Reise nach Italienan. Bis zum Herbste verweilte er in Rom und der Umgegend und ftudirte vor-züglich die Denkmäler des Alterthums, überließ sich aber zugleich seiner Neigungzur Malerei und vollendete zwei Bilder, die den inner» Hof eines römischen Pala-stes darstellen. Im Frühjahr 1818 ging er nach Neapel und besuchte Pastum.Nach Rom zurückgekehrt, machte er Entwürfe zu Palästen, unter welchen einermit jedem bekannten Gebäude an Größe und Pracht wetteifern sollte Dieser Pa-last erhebt sich auf 50 Fuß hohen Terrassen, hat mehre mit Säulenhallen prangendeHöfe, aus deren Mitte sich thurmartig ein Säulenbau erhebt, über dessen Platt-form der Wagen des Donnergottes dahinrollt, welcher die auf den Ecken liegendenGiganten mit seinen Blitzen zerschmettert. Vor der zum Vorhofe des Palasteshinanführenden kolossalen Rampe erscheint in einer aus Wasserstrahlen gebildetenSonne Neptun. Zur Unterhaltung dieser Wasserkunst sollte ein Strom unterdem Palaste hindurchgeleitet werden. Eine nähere Beschreibung dieses Entwurfshat man in der Sammlung der Compositionen des Künstlers zu erwarten. EineEinladung nach Dresden rief ihn 1829 aus Italien zurück. Man dachte an denBau eines neuen Theaters, und während des Sommers 1829 war O. in Dresdenbeschäftigt, die erfoderlichen einzelnen Plane zu entwerfen. Besondere Verhalt-nisse veranlaßten jedoch den Aufschub des beschlossenen Baues; ehe aber O. Dres-den verließ, erhielt er von dem Herzog von Meiningen den Auftrag, Plane zumBau eines neuen Theater- und Casinogebäudes zu verfertigen, die so viel Beifallfanden, daß die Ausführung derselben bereits im Aug. 1829 begann. NachBraunschweig heimgekehrt, gab O. die erste Abtheilung seinerArchitektonischenMittheilungen" (Braunschweig 1830) heraus, welche eine Abhandlung über denBau des königstädtischen Theaters enthält, worin er zu zeigen sucht, inwiefern vonder Form der griechischen Theater abgewichen werden muß, um das Auditoriumunserer Theater in optischer und akustischer Hinsicht richtig anzulegen. Ganz aufseine Amtsgeschäfte beschränkt, und ohne Aussicht, in seiner Vaterstadt unter dendamaligen Verhältnissen ein großes Werk ausführen zu können, wurde O. durchdie Folgen der Ereignisse des Jahres 1830 zu einer seiner Talente würdigen Tä-tigkeit berufen. Herzog Wilhelm übertrug ihm den Bau des neuen Schlosseszu Braunschweig, der nach seinem Plane ausgeführt wird. Das Ganze bestehtaus einem Gebäude, dessen rückwärts springende Flügel einen mit Säulengängenumgebenen, sehr großen Hof einschließen. Die mit korinthischen Säulen ge-schmückte Hauptfa^ade, vor welcher der Schloßplatz liegt, ist von kreisförmig vor-tretenden Säulengängen begleitet, die das Schloß mit den künftig auszuführendenFlügeln in Verbindung setzen werden. Die Plattform über dem Mittlern Portalziert der Sonnenwagen, die Balustrade der Ekrisalite ist mit Statuen geschmückt.Die Seite nach dem offenen Schloßhofe hin hat eine Kuppel, die ein von obenerleuchtetes Treppenhaus bedeckt. Der Bau begann im Spätsommer 1831 undsoll in vier Jahren vollendet sein. Sparsam in der Abwechselung, die den großenEffect nur zu oft vernichtet, greift den Baustyl dieses Künstlers, frei von allemGemisch, stets großartig durch das ganze Werk, wobei er in der Ausführung derEinzelheiten mit großer Gewissenhaftigkeit zu Werke geht.