122 Miguel (Don)
DonM. reiste ab, um die Regentschaft in Portugal bis zu seiner Vermahlungmit seiner Nichte, d. h. bis zu seiner Thronbesteigung, in deren Namen zu übernehmen.Er landete, nach einem kurzen Aufenthalten England, im Febr. 1828 in Lissabon,und was jeder sachkundige Beobachte? vorhersah, was in Portugal jedes Kind vor-hersagen konnte, was eine unvermeidliche Folge der Umstände und der Individua-litaten, namentlich der bekannten und seit seiner frühesten Jugend bewährten Per-sönlichkeit Don M.'s wc>?, was nur die Diplomatie, nur Canning nicht vorhersahoder nicht vorhersehe wollte, geschah nur zu bald. In wenigen Monaten warvon Pedro's Constitution, von der Heirath mit Donna Maria nicht mehr die Rede,und der englische Einfluß in Portugal war so ganz und unbedingt vernichtet, wiees alle Bayonnete Spaniens oder der heiligen Allianz nimmer vermocht hätten. Obdie Diplomatie der heiligen Allianz durchaus Ursache hat, mit dem Resultat ihresAntheils an diesen Dingen zufrieden zu sein, mag die Zukunft, mag die endlicheLösung der portugiesischen Frage zeigen. Die verschiedenen Stufen in dieser Ent-wicklung können hier nicht näher dargestellt werden; denn obgleich DonM. osten-sibel eine Hauptrolle darin spielt, so ist er dennoch nur eine unentbehrliche Neben-person und seine Biographie hat sehr wenig mit der Geschichte seiner Regierung zuschaffen. Bekannt genug ist die Art, wie er als Regent den Eid auf die Verfassungleistete, bekannt wie, nachdem der Eid in der That und Wahrheit längst gebrochen,die Verfassung längst zerstört war, die contrerevolutionnaire Reaction längst be-gonnen hatte, die nach den Vorschriften der sogenannten alten Verfassung berufe-nen Cortes ihn 1829 aller in Wien übernommenen Verpflichtungen entledigtenund ihm kraft seiner eignen Rechte und Ansprüche und der alten Reichsgesetze als Kö-nig von Portugal huldigten; bekannt die Art, wie England, der Canning'schen Lehrevom casus fuellens treu bleibend, die liberale Partei im Stich ließ, wie diese in ih-rem Versuche, sich in Porto zu behaupten, scheiterte, wie nun die contrerevolutionnaireReaction immer mehr den Charakter eines Terrorismus annahm, bekannt endlich,wie Don Pedro, vom brasilischen Kaiserthron vertrieben, seit einem Jahr sich bemühtden portugiesischen Thron für seine Tochter zu erobern und wie wenig dieser blutigeBruderkrieg bisher irgend einem Theil Vortheil oder Ehre gebracht hat. (S. Por-tugal.) Der persönliche und unmittelbare Antheil, den DonM. an diesen Dingengehabt und noch hat, ist wie gesagt nicht so bedeutend, daß sie einen Platz in seinerBiographie finden könnten, und jedenfalls liegt die Verantwortlichkeit für so vielUnheil nicht auf ihm, von dem nie etwas Anderes, Besseres erwartet werden konnte,sondern lediglich auf Denjenigen, die ihn in die Lage gesetzt haben, dieses Unheil an-zurichten. Übrigens thut man, wie gesagt, Don M. zu viel Ehre an, wenn manihn als den selbstbewußten unmittelbaren Schöpfer des portugiesischen Terrorismusoder irgend einer wirklichen politischen oder militärischen Maßregel ansieht. DonM. ist nichts als das Symbol, das Werkzeug einer Partei, welche sogar, Dankden Fehlern der Gegenpartei, in gewissem Sinne einen nationalen Charakter undalle daraus entspringenden Rechte und Vortheile für sich hat, einer Partei, welche,wie jede Partei unter ähnlichen Umständen, in einem Kampf auf Leben und TodAlles für erlaubt ansieht und Alles thut, was ihr zu ihrer Selbsterhaltung und zumVerderben ihrer Gegner nöthig oder dienlich scheint. Der gegen diese ausgeübteTerrorismus muß aber natürlich in dem Maße drückend erscheinen, als die liberalePartei, obgleich Minderzahl, doch immer zahlreich und durch Stand, Bildungund Vermögen ausgezeichnet ist. Dieser Terrorismus würde stattfinden auch wennDon M. nicht das Haupt der nationnellen *), antiliberalen Partei wäre; aber diesePartei konnte nur durch ihn und indem sie seinen Namen, seine Rechte vorschob,
*) Wir wiederholen ausdrücklich, daß diese Partei es nur den Fehlern der Libe-ralen und vor allen Dingen Don Pedro's verdankt, wenn sie in diesem Augenblickwirklich die Majorität der Nation für sich hat.