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Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
91
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Meteorologie 91

fernt sind. Es würde in diesem Falle auf der ganzen Erde ein Wind wehen, des-sen Richtung in den obern Schichten der Atmosphäre von dem wärmsten Punktenach dem kältesten, in den untern von dem kältesten nach dem wärmsten gerichtetwäre. Dieser ideale Fall findet nicht statt; indem die Sonne sich während einesTages scheinbar um die ganze Erde von Osten nach Westen dreht, erhalten wireine wärmste Zone in der Nähe des Äquators und zwei kälteste Punkte an den Po-len. Es wird, unserm Satze zu Folge, in den obern Schichten die Luft vom Äqua-tor nach den kältern Polen, in der Tiefe von den Polen gegen den Äquator strömenmüssen. Die Erscheinung wird noch durch einen andern Umstand modisicirt. DieKreise der Erde, welche parallel mit dem Äquator sind, werden desto kleiner, jeweiter wir uns vom Äquator entfernen; da nun ein jeder Punkt auf der Erdober-flache sich wahrend eines Tages einmal um die Achse dreht, so wird der von ihm vonWesten nach Osten in dieser Zeit beschriebene Weg, mithin auch seine Geschwindig-keit desto kleiner, je näher er am Pole liegt. Betrachten wir nun die Wirkung dersich bewegenden Luft an einem Punkte auf dem hohen Meere, oben in der nördli-chen Halbkugel. Sie bewegt sich vom Pole zum Äquator und wir würden hiereinen reinen Nordwind haben, wofern die Erde ruhte. Da aber die ganze Atmo-sphäre an der drehenden Bewegung der Erde Theil nimmt, so dreht sich allerdingsdie gegen den Äquator strömende Luft zugleich von Westen nach Osten, jedoch aushöhern Breiten kommend, hat sie noch nicht die Geschwindigkeit erreicht, welchezu dem Punkte gehört, an welchem sie jetzt ankommt, sie leistet mithin den Körpern,die sich mit der Erde nach Osten drehen, einen ähnlichen Widerstand, als ob einOstwind wehte. Wird diese Thatsache mit der vorher mitgclheilten Strömungnach Süden zusammengefaßt, so ist die Windrichtung die zwischen Nord und Ostliegende Nordost.

Lange Zeit vorher, ehe Halley diese theoretische Ansicht entwickelt hatte, warden Seefahrern das Phänomen bekannt. Auf den beiden großen Meerbecken, diesich bis zu beiden Polen erstrecken, nämlich dem atlantischen Meere und dem gro-ßen Oceane, finden wir in etwa 30° N. B. den Nordostpassat, welcher inetwa 3 — 4° N. B. verschwindet; in ebenso viel Grad S. B. zeigt sich dasganze Jahr hindurch der Südostpassat, welcher in 30° S. B. verschwindet. Inder Nähe des Äquators herrscht kein bestimmter Wind, Windstillen wechseln mitheftigen Orkanen und die Richtung des Windes ändert sich häusig; hier istes, wo die erwärmte Luft mit Schnelligkeit in die Höhe steigt, sich oben nachden Polen bewegt und so den Luftmassen Platz macht, welche durch die Pas-sate herbeigeführt werden. Die Luft der obern Luftschichten, welche sich vom Äqua-tor zu den Polen bewegt, hat die große Geschwindigkeit erlangt, welche dem Äqua-tor eigenthümlich ist; diese Geschwindigkeit ist größer als diejenige, welche zu denGegenden gehört, nach denen sie kommt, sie bewegt sich also aus Westen. In denhöchsten Luftschichten haben wir in der nördlichen Halbkugel einen Wind, welchereine Richtung zwischen Süden und Westen hat, d, h. Südwest. Aus derselbenUrsache finden wir in der südlichen Halbkugel Nordwest. Dieser obere Strom,welcher häusig der zurückkehrende Passat genannt worden ist, war bis vor wenigenJahren nur noch eine Vermuthung gewesen. Da erfolgte 1812 ein großer Aus-bruch des Vulkans auf St.-Vincent in den Antillen. Im Osten liegt die InselBarbados in geringer Entfernung, aber durch den Nordostpassat so bestimmt vonihr geschieden, daß eine directe Seereise von St.-Vincent nach Barbados nichtmöglich ist. Dieser Ostwind bringt nach Barbados weder Regen noch Wolken,stets ist der Himmel heiter. Plötzlich aber erschienen finstere Wolken über der In-sel und die Asche aus dem Vulkan von St.-Vincent fiel, zur größten Bestürzungund zum Schrecken der Einwohner, in großer Menge herab. Diese hätten mitnicht geringerm Erstaunen Berge sich bewegen als solche Stoffe von Westen durch