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Dritter Band (1833) M bis R
Entstehung
Seite
54
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54 Mauromichalis (Familie)

ohne Erfolg, und also mußte die Gewalt der Waffen entscheiden. An dem Bür-gerkriege, welcher mit der Einnahme des noch von dem Sohne Kolokotronis' besetz,ten Napoli di Romania und mit der Gefangennehmung des alten Kolokotronisselbst endigte, scheint jedoch Pietro keinen nahern persönlichen Antheil genommen zuhaben. In der Absicht, sein Truppencorps durch neue Werbungen zu verstarken,begab er sich sogleich nach seiner Ankunft in Tripolizza nach Maina, wurde aberspater dennoch als Mitschuldiger an der Empörung des Kolokotronis zugleich mitdiesem nach Hydra in gefängliche Haft geschickt. Allein hier verweilte er nur kurzeZeit, da das Erscheinen Ibrahim Pascha's in Morea seine Dienste doppelt not-wendig machte.« Nach dem Falle von Navarin, am 18. Mai 1825, übertrug ihmGeorgias Konduriotis den Oberbefehl über das Heer, welches 17,000 Mannstark zwischen Kalamata und Nisi ein Lager bezogen hatte, um gegen Modon undNavarin zu agiren. Durch die Überlegenheit des Feindes aus seiner festen Stel-lung bei Kalamata verdrangt, sah sich Pietro selbst in die Nothwendigkeit versetzt,Ibrahim Pascha seine Unterwerfung mit der Bedingung anzubieten, daß den Mai-noten die Waffen gelassen würden; da man jedoch auf Seiten des Feindes hieraufnicht eingehen wollte, rückte er sogleich wieder ins Feld, nahm an mehren bedeuten-dem Gefechten Theil, und wußte sich wenigstens durch eine geschickte Verteidigunggegen die Ubermacht seines Gegners so zu halten, daß an Unterwerfung nicht mehrzu denken war.

Eine Aufzahlung der einzelnen, zum Theil sehr unbedeutenden Gefechte wah-rend der Jahre 1825 und 1826 liegt ganz außerhalb unsers Zweckes, und so erin-nern wir nur noch daran, daß nicht allein Pietro selbst, sondern auch seine Söhne,Brüder und entferntem Verwandten an diesem letzten Kampfe gegen die Ägypterden rühmlichsten Antheil nahmen. Leider aber mußte der Ruhm, welcher auf dieseWeise das Geschlecht der Mauromichalis unvergeßlich gemacht hat, theuer erkauftwerden. Pietro verlor einen seiner Brüder, Kyriakulis, zwei Söhne, Eliasund Janaki, einen Schwager, zwei Neffen und, wie man berechnet hat, über-haupt seit dem Anfange des Freiheitskrieges 41 nähere und entferntere Ver-wandte durch den Heldentod. Dabei widmete Pietro fortwährend auch der in-nem Entwickelung des jungen Freistaats seine Aufmerksamkeit und Thätigkeit.Als Deputirter bei der Nationalversammlung zu Piada (Epidauros), welche den18. Apr. 1826 ihre Sitzungen eröffnete, schlug er zwar die ihm angetragene Stelleeines Präsidenten aus, ward aber dagegen nach der unglücklichen Katastrophe vonMissolonghi, welche die Aufhebung der Arbeiten jener Nationalversammlung zurFolge hatte, zum Mitglieds der hierauf eingesetzten provisorischen Vollziehungsde-putation ernannt, welche sich bereits den 29. Apr. nach Napoli di Romania be-gab. Als diese später, zu Anfange des 1.1827, von der wieder zu Damala inWirksamkeit tretenden Nationalversammlung völlig als provisorische Regierungs-commission anerkannt wurde, blieb auch Pietro Mitglied derselben, bis die im Aprilerfolgte Wahl des Grafen Kapodistrias zum Präsidenten von Griechenland die Ein-setzung einer neuen stellvertretenden Regierung zur Folge hatte. Georgios M.,Pietro's Sohn, ward eines der drei Mitglieder derselben. Pietro selbst blieb auchnach dieser Zeit, obgleich ohne unmittelbare Theilnahme an den Geschäften der Re-gierung, in dem zu Nauplia gehörigen Hafenschlosse Brudzi zurück.

Konnte die Familie Mauromichalis, und vor Allen ihr Haupt Pietro, schonvermöge ihres Ranges und der dem Staate geleisteten Dienste, bei einer neuenOrdnung der Dinge auf Berücksichtigung die gerechtesten Ansprüche machen, sogab ihr der Umstand, daß sie, in der Absicht, der Parteiung im Innern ein Endezu machen, namentlich die Berufung Kapodistrias' befördert hatte, doppeltes Rechtzur fernem Theilnahme an den Geschäften der Regierung. Überdies erfoderte es dereigne Vortheil des Präsidenten, eine Familie, welche ihm durch ihren weit verbrei-