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ist, daß das in Beziehung auf Moralitat und Sit»tcn berüchtigte Zeitalter Ludwigs XIV- in Frank-reich allerdings die moralische Seite dieser Ver-hältnisse nicht so richtig aufzufassen vermochte, wiedas uusrige, und daß überhaupt nicht Alles demdeutschen Geiste gemäß seyn möchte, was wohl mitder Rücksicht auf französische Sitte und französischenCharakter eher bestehen kann. Der Geist und dieSitte des gebildeten Mittelstandes in Deutschland,welche für den Charakter unsrer Zeit und unsreSVolkes überhaupt vorzugsweise als Maßstab anzu-sehen sind, ächten jene Sünden und Schaudthatcn,mit welchen in der Mitte des vorigen Jahrhun,derts der tief herabgewürdigte Sinn der herrschen-den Stände, wenigstens des Hofadels, Trophäeneinzusammeln wähnte; und wenn auch bei uns dieäußere Scham und die Scheu vor der öffentlichenMeinung heute noch vielleicht mehr wirksam ist zurAufrechthaltung der Sittengesetze, als wahre Tu-gend und die Kraft der Moralitat selbst', so istdoch eben dieses Vorhandenseytt einer, das Sittlicheund Unsittliche richtig unterscheidenden öffentlichenMeinung, — es ist dieses edlere Volksgefühl, magihm auch in den meisten Gemüthern keine freieErkenntnis! zum Grunde liegen, dennoch eine er-freuliche, höhere Hoffnungen für die Zukunft erre-gende Erscheinung.
Hohe Verantwortlichkeit ruht daher auch übe?der bürgerlichen Gesetzgebung; sie darf ihr großesAmt nicht verkennen, daß sie erkannte sittlicheWahrheiten nicht durch lockere, den Leichtsinn an-reizende Verfügungen entkräften, sondern durch eine