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Zweiter Band (1833) F bis L
Entstehung
Seite
713
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Zweck zu führen schien; auf die gemeinste Weise behandelten sie Manner, na-mentlich den Herausgeber der „Allgemeinen Kirchenzeitung", welche auf das^esammte Menschheit gefahrvolle Treiben derselben aufmerksam machten und vorfür die ihrem Gifte warnten; richteten, verdammten und verketzerten die ver-nünftigsten Ansichten der edelsten Manner; allein erfolglos war ihr Bemühen,denn solche Handlungsweise konnte ihnen nur Verachtung bringen. Ein anderesMittel wurde versucht: durch unsinniges, verwirrtes Geschwätz sowol in der „Evan-gelischen Kirchenzeitung" als in desondern Schriften sollte die Menschheit verwirrtwerden; allein auch dieser Weg schlug nicht ein, derm man war darüberhinaus,sich über eine unsinnige Rede den Kopf zu zerbrechen, mitleidig belächelte man denUnglücklichen, den der Geist treibt, Unsinn zu reden oder gar drucken zu lassen. Un-geachtet dieser traurigen Erfahrung beharrt sie bei ihrer ursprünglichen Tendenz,hat auch ihre Leser, da es noch immer Leute gibt, welche den Unsinn für Weisheithalten, und wieder Andere, welchen es Vergnügen macht, einen Trunkenencoben zu hören.

Viel später als die orthodoxe, kam auch die ultrarationalistische Partei derevangelischen Kirche auf den Gedanken, in einer besondern Kirchenzeitung ihreeigcnchümlichen Ansichten über Religion und Kirche aufzustellen. Begründer dersel-ben ward der um die Kirche wie um die Schule hochverdiente bairische KirchenrathI)r. H Stephani und der Pfarrer G. M. Weber. Sie erschien mit dem Anfangedes Jahres 1831 zu Nürnberg unter dem Titel: „Neue allgemeine Kirchenzeitung".Man kann mit Gewißheit annehmen, daß keine böswillige Absicht, wie dies bei der„Evangelischen Kirchenzeitung" der Fall war, dieser Zeitung das Dasein gab;»renn auch nicht zu leugnen ist, daß einige allzu freie Denker, die den Widerspruch,dm sie in der „Allgemeinen Kirchenzeitung" wiederholt erfahren mußten, nicht er-dulden wollten, nach einem Oppositionsblatte sich sehnten. Allein Stephani beab-sichtigte gewiß kein solches, und nur die Zeit des bewegtem Völkerlebens in Deutsch-land konnte ihn überhaupt zu dem raschen Entschlüsse veranlassen, zur Begründungund Weiterverbreitung rationalistischer Ansichten ein eignes Blatt herauszugeben.Dasselbe hat fortwährend in anständiger, der Sache würdiger Sprache geredetund ohne gehässige Seitenhiebe die Grundsatze des Rationalismus aufgestellt undzu begründen gesucht; doch die Grenzen, innerhalb welcher es sich bewegte, warenzu enge; der Stoff erschöpfte sich nach und nach, und endlich waren es nur einigegleiche fixe Ideen, welche immer von Neuem bearbeitet wurden. Dies warauch die Ursache, daß die Zeitung mit dem zweiten Jahrgangs 1832 geschlos-sen ward.

So bestehen demnach gegenwartig in Deutschland nur vier eigentliche Kir-chenzeitungen, Bretschneider's „Allgemeine Kirchenzeitung", Hengstenbcrg's „ Evan-gelische Kirchenzeitung", Göschl's „Katholische Kirchenzeitung" und Lerchenmül-ler's „Neue constitutionnelle Kirchenzeitung". Die noch immer steigende Theil-nahme des Volkes an der Kirche und deren zweckmäßigen Gestaltung erfodert Or-gane des kirchlichen Lebens und es kann durch dieselben tief in das Leben eingegriffenwerden. Soll eine Kirchenzeitung in unserer Zeit wahrhaft nützen und segensreich fürb>e Kirche wie für den Staat wirken, so darf sie nicht einseitig dem Interesse irgendeiner Partei oder Sekte dienen, sondern sie muß auf vernünftige Weise das wahreInteresse der gesammten Kirche ins Auge fassen und die Angelegenheiten derselbenwit Umsicht, Gründlichkeit und Unparteilichkeit beleuchten. (70)

^ .Kisling (Leopold), Hofbildhauer in Wien, ward am 8. Ott. 1770zu^chöneben in Ostreich ob der Erms geboren. Sein Vater, ein Glashändler, wid-mete ihn dem Tischlerhandwerk. Der Verzierungsbildhauer Schrott gönnte demwackern Gesellen den Besuch der Akademie der Künste zu Wien, wo der Directorsicher aufmerksam auf das herankeimende, mit dm bittersten Nahrungssorgen