Kirchenzeitungen 711
dent" fortgesetzt wurde. Auch der „Religionsfreund" dessen Redaction vr. G.Riegler übernahm, suchte sich selbständig zu behaupten, mußte jedoch schon imnächsten Jahre aufhören, wahrend jener mit dem Jahre 1833 den sechsten Jahr-gang eröffnete. Da es die Absicht ist, hier blos über Kirchenzeitungen zu sprechen,so würde dieser Zeitschrift gar keine Erwähnung geschehen sein, wenn wir die rö-mische Kirche des Ruhmes hätten verlustig machen wollen, daß sie gleichzeitig mitder evangelischen etwas einer Kirchenzeitung Ahnliches gegeben habe. Die Re-daction derselben ist sich in ihren Ansichten vom Anfange an bisher ganz gleich ge-blieben. vr. Benkert, nebst seinen zum großen Theile unbekannten Mitarbeitern,ist dem absoluten Ultraromanismus ergeben und sucht fortwährend die höchste Aus-gabe seiner Zeitung dadurch zu lösen, daß er blind die Satzungen des römischenHofes vertheidigt und die ketzerischen Ansichten Andersdenkender in kraftloser Spra-che zu Boden donnert. Die „Allgemeine Kirchenzeitung" aber behauptete fest denStandpunkt allgemeiner Tendenz, die sie sich gleich anfangs angewiesen hatte;weder „Wohlmeinende Bemerkungen über die Allgemeine Kirchenzeitung" (Augs-burg 1823), noch böswillige Ausfälle konnten den Herausgeber derselben verleiten,eine falsche Richtung zu verfolgen. Als man nun sah, daß jeder Dorfpfarrer indem neuen Sprechsaale der „Allgemeinen Kirchenzeitung" freien Zutritt hatte undsprechen durfte, als selbst Laien ihre Stimme in Bezug auf kirchliche Angelegenhei-ten dort erhoben, als gar dreiste Priester der römischen Kirche ein zuweilen recht tief-greifendes Wörtlein darin vernehmen ließen, als endlich selbst Laien der katholischenKirche, durch die starke Sprache ihrer geistlichen Hirten aufmerksam gemacht, denöffentlichen Besprechungen zuhörten, da schien es der römischen Kirche, der es nichtdarum zu thun war, durch gegenseitigen freien Austausch der Ideen die Wahrheitzu finden und Aufklärung zu verbreiten, sondern sich auf die Höhe ihrer extremenStellung zu erhalten, doch an der Zeit zu sein, den Laien der katholischen Kirche auchdem Titel nach etwas Ähnliches zu bieten, und es begann 1829 (April bis Sept.)zu Offenbach „Die katholische Kirchenzeitung" unter der Redaction des PfarrersH. I. Schmitt, die seit 1830, wo der Professor vr. I. M. Göschl zu Aschaffen-burg, wohin auch 1832 der Druck verlegt ward, die Redaction übernahm, regel-mäßig fortgesetzt wird und 1833 den fünften Jahrgang begann. Sie geht Handin Hand mit dem „Allgemeinen Religions - und Kirchcnfreunde", beide beseeltein Geist, beide haben ein Ziel und suchen dasselbe aus ein und demselben Wege zuerreichen; hier wie dort wird der finsterste Katholicismus gepredigt und jeder Anders-denkende auf römische Weise gemishandelt. Ein erfreuliches Zeichen fortgeschrit-tener Cultur und des Strebens für edlere Zwecke in der deutsch-katholischen Kirchebeurkundete die „Kirchenzeitung für das katholische Deutschland" von I. Seng-ler, die in München mit dem Jul. 1830 begann, aus Mangel an Abnehmernjedoch am Ende des Jahres 1831 aufhören mußte, und die „ConstitutionnelleKirchenzeitung aus Baiern für katholische Geistliche", vom Pfarrer Alex. Lerchen-müller, welche mit jener zugleich zu Kempten ihren Anfang nahm, seit dem Jul.1832 aber unter dem Titel: „Neue constitutionnelle Kirchenzeitung oder derSions-Wächter", zu Augsburg erscheint. Beide Herausgeber, dieser jedoch ängst-licher als jener, obgleich sie noch fest an den Satzungen, der römischen Kirche han-gen, gaben herrliche Zeugnisse dafür, daß es auch in der katholischen Kirche Deutsch-lands lichter zu werden beginnt und daß es einst tagen wird. In beiden hatDeutschland Männer kennen gelernt, in denen sich gründliche Wissenschaft undKraft der Rede vereinigt findet, die mit sich ins Reine zu kommen sireben und die,wenn sie sich erst selbst recht klar geworden sein werden, der römischen Hoftheologieempfindliche Wunden beibringen möchten.
Daß die römische Kirche gleich vom Anfange an darauf bedacht war, nebender „Allgemeinen Kirchenzeitung" ein eigenthümliches Organ zur Besprechung