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Dieser Satz hat so, wie er hier sieht, Personen von hohem Rang zu schi-
nichts gegen die gute Harmonie; ken, wie sie ^n der Oper insgemein
inzwischen konnte man ein Duet sind. Indessen gicbr es doch Falle,
nicht nach dieser Art setzen; denn wo die Leidenschaften, besonders die
wenn man den Baß wegließe, so von zärtlicher Art, die Gemuther
würden die Heyden obern Stimmen dergestalt hinreißen, daß eine so
in Ouarten gegen einander stehen, überfließende und vom Anstand un-
und sehr unangenehm werden. gehemmte Acußernng derselben, wie
Man muß also bey solchen Duet- sie im Duette vorkommt, ganz natür-
ten auch ohne Rüksicht auf die Um- lich wird; wenn nur der Dichter
kehrung der Stimmen, die Regeln diese Falle natürlich genug vorstellt,
des doppelten Comrapnnkts in der und der Tonsetzer dieselben als ein
Octavc vor Augen haben; weil nur Mann von feinem Geschmak bchan-
dadurch die bcyden Hauptsiimmen delt. Man kann sich auf die Em«
auch ohne den Baß ihre harmonische pfindung aller Menschen berufen, die
Richtigkeit bekommen. Deswegen in verschiedenen berlinischen Opern,
ist das Duet allemal ein Werk, das wo der Dichter nur einigermaßen
nur der Setzer unternehmen kann, natürlich gewesen ist, die reizenden
der ein vollkommener Harmonist ist, Duette nnsersGrauns geHort haben,
und sowol die Kunst der Fugen und um zu behaupte», daß nichts so tief
Nachahmungen, als des doppelten in das Innerste der Empfindungen
Contrapunkts in seiner Gewalt hat. eindringt, als ein gutes Duet-
Zwcy schone Melodien, deren scdc ih- Der Dichter muß das Duet mit
ren eigenen richtigen Ausbruk, ihre großer Behutsamkeit und nur insol-
eigenen Verzierungen hat, so zu ver- chen Umstanden der Handlung all-einigen, daß keine die andre verdun^ bringen, wo natürlicher Weise die
kelr, dies ist der Gipfel der Kunst: Empfindungen zwey handelnder Per-
wer darinn stark ist, wie ein-Händel soncn auf einen Grad steigen, der
oder Graun, der kann mit Recht an den Wahnwitz gränzet. In sol-
auf dem obersten Rang der Tonfetzer chen Umstanden wird es natürlich,
seinen Platz nehmen. daß die Empfindung sich abwechselnd,
Da in "der heutigen Musik die bald durch wenig schwärmerische
Duette von zwey Singesiimmcn, so- Worte, bald blos durch nnartikulir»
wol in Cantaten, als in dem Drama, te Tone, bald nur durch die nach-
die wichtigsten und lieblichsten Ton- drüklichsten Gebehrden äußere; daß
sinke sind, so verdienen sie auch eine von zwey Personen, die ein Gcgcn-
vorzügliche Betrachtung der Critik. stand außer sich gesetzt hat, bald die
Rousseau hat mit Einsicht und Ge- eine, bald die andre, bald beyde zn-
schmak davon geschrieben *), und gleich ausbrechen; aber imnier kurz
verdienet von Dichtern und Tonse- und oft nur in ein paar s?ylben.
tzern über diese Materie nachgeschla- Also muß das Duet keine zusam-
gcn zu werden. menhangenden Satze der Rede, son-
Dem ersten Allschein nach halt dem abgebrochene kurze Reden in
man es für ganz unnatürlich, daß unvollständigen Sätzen, und ab-
zwey Personen zugleich eine Zeitlang wechselnd, bald von der einen, bald
ihre Empfindungen gegen einander von der andern der handelnden Per-
außern, ohne daß die eine auf die sonen, enthalten. Nicht jede starke
andre Achtung giebet. Am wenig- Leidenschaft erlaubt diese Vehand-
sie» scheinet dieses sich für handelnde lnng. Die von der zärtlichen Art,
die "einen klagenden Ton aiinehmcu,
schiken