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1 (1792) [A - D]
Entstehung
Seite
751
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Dieser Satz hat so, wie er hier sieht, Personen von hohem Rang zu schi-

nichts gegen die gute Harmonie; ken, wie sie ^n der Oper insgemein

inzwischen konnte man ein Duet sind. Indessen gicbr es doch Falle,

nicht nach dieser Art setzen; denn wo die Leidenschaften, besonders die

wenn man den Baß wegließe, so von zärtlicher Art, die Gemuther

würden die Heyden obern Stimmen dergestalt hinreißen, daß eine so

in Ouarten gegen einander stehen, überfließende und vom Anstand un-

und sehr unangenehm werden. gehemmte Acußernng derselben, wie

Man muß also bey solchen Duet- sie im Duette vorkommt, ganz natür-

ten auch ohne Rüksicht auf die Um- lich wird; wenn nur der Dichter

kehrung der Stimmen, die Regeln diese Falle natürlich genug vorstellt,

des doppelten Comrapnnkts in der und der Tonsetzer dieselben als ein

Octavc vor Augen haben; weil nur Mann von feinem Geschmak bchan-

dadurch die bcyden Hauptsiimmen delt. Man kann sich auf die Em«

auch ohne den Baß ihre harmonische pfindung aller Menschen berufen, die

Richtigkeit bekommen. Deswegen in verschiedenen berlinischen Opern,

ist das Duet allemal ein Werk, das wo der Dichter nur einigermaßen

nur der Setzer unternehmen kann, natürlich gewesen ist, die reizenden

der ein vollkommener Harmonist ist, Duette nnsersGrauns geHort haben,

und sowol die Kunst der Fugen und um zu behaupte», daß nichts so tief

Nachahmungen, als des doppelten in das Innerste der Empfindungen

Contrapunkts in seiner Gewalt hat. eindringt, als ein gutes Duet-

Zwcy schone Melodien, deren scdc ih- Der Dichter muß das Duet mit

ren eigenen richtigen Ausbruk, ihre großer Behutsamkeit und nur insol-

eigenen Verzierungen hat, so zu ver- chen Umstanden der Handlung all-einigen, daß keine die andre verdun^ bringen, wo natürlicher Weise die

kelr, dies ist der Gipfel der Kunst: Empfindungen zwey handelnder Per-

wer darinn stark ist, wie ein-Händel soncn auf einen Grad steigen, der

oder Graun, der kann mit Recht an den Wahnwitz gränzet. In sol-

auf dem obersten Rang der Tonfetzer chen Umstanden wird es natürlich,

seinen Platz nehmen. daß die Empfindung sich abwechselnd,

Da in "der heutigen Musik die bald durch wenig schwärmerische

Duette von zwey Singesiimmcn, so- Worte, bald blos durch nnartikulir»

wol in Cantaten, als in dem Drama, te Tone, bald nur durch die nach-

die wichtigsten und lieblichsten Ton- drüklichsten Gebehrden äußere; daß

sinke sind, so verdienen sie auch eine von zwey Personen, die ein Gcgcn-

vorzügliche Betrachtung der Critik. stand außer sich gesetzt hat, bald die

Rousseau hat mit Einsicht und Ge- eine, bald die andre, bald beyde zn-

schmak davon geschrieben *), und gleich ausbrechen; aber imnier kurz

verdienet von Dichtern und Tonse- und oft nur in ein paar s?ylben.

tzern über diese Materie nachgeschla- Also muß das Duet keine zusam-

gcn zu werden. menhangenden Satze der Rede, son-

Dem ersten Allschein nach halt dem abgebrochene kurze Reden in

man es für ganz unnatürlich, daß unvollständigen Sätzen, und ab-

zwey Personen zugleich eine Zeitlang wechselnd, bald von der einen, bald

ihre Empfindungen gegen einander von der andern der handelnden Per-

außern, ohne daß die eine auf die sonen, enthalten. Nicht jede starke

andre Achtung giebet. Am wenig- Leidenschaft erlaubt diese Vehand-

sie» scheinet dieses sich für handelnde lnng. Die von der zärtlichen Art,

die "einen klagenden Ton aiinehmcu,

schiken