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1 (1792) [A - D]
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656
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6z6 Dich

D i ch

und Oichtcrftcundc, tcipz. 177z «1781. 8.12 Et. — Deutschlands Oeiainaldichtcr,Hamb. 1776. 8. 4 B. ( Besser gedruckt,als ge>vühlt.) — Wegen mehrerer Samml.s. den Art. Laed u. d. m. — —

Dichtkunst. Poetik.

Eine so wichtige Kunff, als die Poe-sie ist, verdienet von Männern, dieden feinestenGeschmak mir der schärf-sten Beurtheilung vereinigen, in ih-rem psychologischen Ursprung, in ih-ren mannigfaltigen Aeußcrungen undin ihrer besten Anwendung betrachtetzu werden. Nicht bcßwcgcn, daßdurch die beste Theorie dieser Kunstein Dichter könne gebildet werden:denn nur die Narur kann dieses thnn;sondern damit die, denen die Naturdie Anlage gegeben, ihre Bestimmungdeutlich erkennen lernten, und einenWeg vorgczcichnet fänden, auf wel-chen: sie fortgehen müssen, um zu demGrad der Große zu kommen, dessenihr Genie fähig ist.

Obgleich sehr viel zu dieser Theo-rie dienendes geschrieben ist, so fehltes noch an einem Lehrgebäude derDichtkunst. Die, welche davon ge-schrieben haben, fanden das, wassie voraussetzen sollten, die Theorieder schonen Künste überhaupt, nichtvor sich, deßwegen ließen sie sich invielerlei) Beobachtungen und Unter-suchungen ein, die die Poesie mit al-len andern schonen Künsten gemeinhat.

Wenn man die allgemeine Theorieder Künste, oder die Aefibetik vor-aus setzet, so scheinet die Poetik ins-besondere folgende Untersuchungen zucrfodern. Zuerst eine richtige Be-stimmung des cigenthümlichcn Cha-rakters der Poesie, wodurch sie zueiner besondern Kunst wird, und derbesondren Mittel, die sie anwendet,den allgemeinen Zwek der Künste zuerreichen.

Hierauf würde der Charakter desDichters, und die nähere Bestim-mung seines absonderlichen Genieszu betrachten scyn, wodurch er ge-rade ein Dichter, und nicht ein Red-ner oder ein andrer Künstler wird.

Dann würde der wahre BegriffdesGedichtes fest zu setzen und bestimmtzu zeigen seyn, wodurch es sich vonjedem andern Werk der redenden Kün-ste unterscheidet. Es würde sich hier,aus ergeben, was in der Materieoder in den Gedanken, was in derSprache und in der Art des Aus-drukes poetisch ist. Hierauf mußteman versuche!:, die verschiedenen Gat-tungen des Gedichts allgemein zu be-stimmen, und den besonder:: Charak-ter einer jeden Gattung festzusetzen.Man müßte den Ursprung der Gat-tung und Arten in der Natur des poe-tischen Genies aufsuchen, und daherwieder die, jeder Art vorzüglich angc-inesseneMaterie, die geschiktcstcn For-men, und den wahren Ton bestimmen.

Bey jedem besondern Theilc dieserUntersuchungen müßte man eine be-ständige Rüksicht auf die praktischeAnwendung der Theorie haben, da-mit der Dichter dabey alles fände,was zu Erforschung und Ausbildungseines Genies dienet. Er müßte dar-aus lernen, durch was für Studiumund Ucbung er seine Fähigkeiten er-weitern, durch welche Wege er sei-nen Stoff erfinden, und durch wasfürArbeiten er die Fertigkeit in seinerArt erwerben könne.

Wicwol es uns noch an einem sol-chen System fehlet, so haben über alleznr Poetik gehörige Materien ver-schiedene große Männer alter undneuer Zeit so viel einzelne Betrachtun-gen vorgetragen, daß dem, der dasWerk in: Zusammenhang ausführenwollte, die Arbeit schon sehr würdeerleichtert werden.

Arilrotcleu scheinet zuerst die Bahnhiezu eröffnet zu haben. Der Theilseiner Poetik, der auf unsrc Zeiten

gekom-