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1 (1792) [A - D]
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Geistes und Herzens zufolge, das,was er steht, beschreibt, was er denktoder empfindet, ausdenkt, den Aus-bruch seiner Leidenschaft schildert,und für jedes eine besondre, der Sa-che angemessene Versart wählet, soentstehet dadurch die Cantate. Siefallt demnach norhwendig in verschie-dene Dichtungsartcn. Ein Thcilkann erzählend, ein andrer lehrend,ein andrer betrachtend, und ein an-drer rührend se»n. Daher könnenin der Cantitte Recicativs, Lava-ren, Ariofo, Arietce, und Arienzugleich vorkommen; und von diesenverschiedenen Arten kommen mehroder weniger vor, je nachdem derDichter sich bei) einem Gegenstandmehr oder weniger aufhalt. Einoder zwey Rccitativc und ein paarArien müssen norhwendig dabei) vor-kommen. Da wir die verschiedenenDichcuugsarten der besondern Thcileider Cantate in besondern Artikelnbeschrieben haben, so wollen wirhier nur einige allgemeine Anmer-kungen über den Gebrauch und dieverschiedenen Gestalten der Cantatemachen.

Der vornehmste Gebrauch der Can-taten ist bcy dem öffentlichen Gottes-dienst, an fenerlichen Tagen- DerDichter nimmt die Begebenheit, äde-ren Andenken feycrlich begangenwird, zu seinen, Gegenstand. Ermuß dabey die Absicht haben, dasVolk auf die wichtigstenTheile seinesGegenstandes aufmerksam zu machen,dasselbe auf wichtige Betrachtungenund Lehren zu führen, lebhafte Em-pfindungen rege zu machen, und über-haupt das ganze Gemüth mit einerheilsamen Leidenschaft zu erfüllen.Pcbcrhaupt muß also der Dichter denCharakter der geistlichen Dichtungwol beobachten, und sich vornehm-lich in Acht nehmen, weder Witz,noch Knast, noch irgend etwas zuzeigen, wodurch der Zuhörer vondemGegenstand ftinerz Betrachtung auf

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den Dichter, oder auf Nebcusachenkönnte abgeführt werden- Es mußnichts vorkommen, was blos zur Be-lustigung diente, sondern alles mußauf Erbauung übereinstimmen.

Da die Cantate keine Handlung ist,wie das Drama, sondern eine Bc-trachtung über einen großen Gegen-stand, so muß sie nicht weitläuftigsepn. Denn Weitläufigkeit über ei-nen einzigen Gegenstand macht ver-wirrt, und schwächet die Hauptvor-siellung. Der Dichter spll nicht al-les, was sich über den Gegenstandgutes denken oder empfinden laßt,sondern nur das wichtigste, das,was den Verstand und das Herz amstärksten rühret, anbringen. Esgiebt Dichter, welche in Cantatenüber das Leiden des Heilandes, oderüber seine Geburt, in die kleinstenUmstände sich einlassen; jeden, wenner auch noch so wenig auf sich hat,bemerken machen, Betrachtungendarüber, wie man sagt, bey denHaaren herbcy zu bringen. Dadurchwerden sie frostig. Es gehört in dieCantate nichts, als was groß undstark rührend ist, und das Einfachemuß dabey dem Verwikeltcn vorge-zogen werden.

Einige machen ihre Cantaten dra-matisch; dieses schikt sich gar nicht;denn die Cantate ist die Moral einerHandlung, und nicht die Handlungselbst. Es geht wol an, daß zwei)oder auch drei) Personen eingeführtwerden, welche abwechselnd redenoder singen; aber dieses ist kein Dra-ma. Denn jede von den redendenPersonen' drükt ihre eigene Empfin-dungen und Betrachtungen ans. Die-ses macht keine Handlung. Wennaber allegorische Personen eingeführtwerden, so wird insgemein die gan-ze Vorstellung frostig. Ans diesemG'mnde rathen wir sie dem Dichtergänzlich ab.

Auch thun Erzählungen, BeschreibHungen mit Arien, die moralische

Anmer-