Druckschrift 
1 (1792) [A - D]
Entstehung
Seite
416
Einzelbild herunterladen
 

416 B i l

Künstlern natürlicher Weise zu gros-sem Gedanken werde gereizt werden,der, der einen Herkules, oder der an-dre, der einen heiligen Anachoretenzu bilden hat, laßt sich ohne alle Mü-he erkennen. Eben so große Vor-theile lagen auch in der politischenAnwendung der Kunst unter den Grie-chen. Niemand, der nicht in derGeschichte der Menschlichkeit ganzfremd ist, kann daran zweifeln, daßdie Bildhauer in Athen größere Hel-den, und überhaupt größere Man-ner, und bepde in größerer Zahl,vor ihren Augen gehabt, als irgendein neuer Künstler haben könnte!daß die Thatcn und Tugenden dieserMänner, natürlicher Weise, die Ein-bildungskraft und das Herz der da-maligen Künstler weit mehr müssenerwärmt haben, als ahnliche Fallegegenwärtig thun würden.

Was von den Rednern in Athenangeführt worden *), gilt auch vonden Bildhauern. Jedermann warein Kenner, und der Künstler hattedas Lob und den Tadel aller seinerMitbürger zu erwarten. Ein gan-zes Publikum, unter dessen Augener beständig war, hatte auch seineArbeit täglich vor Augen, und wuß-te sie zu beurtheilen. Daß auch die-ses eine große Würkung auf dieKünstler müsse gehabt haben, kannnicht in Zweifel gezogen werden,Das bonos alit nrtes, ist nicht nurvon der Menge der Künstler zu ver-stehen, sondern vornehmlich von derNahrung, die der Geist, zu Erhö-hung der Talente, von der Hochach-tung bekommt, die matt Künstlernerweist.

Daß endlich auch die Bildung desMenschen, oder die Natur, derenStudium dem Künstler die Begriffean die Hand giebt, die sein Geniehernach veredelt, und bis zum Idealerhöhet, in Griechenland vollkomme-ner gewesen, und durch die griechi-

*) S. Beredsamkeit.

B i l

scheu Sitten sich freyer entwikelt ha-be, als es unter den neuem Völkerngeschieht, ist von Winkelmann gründ-lich dargethan worden.

Wenn also in dieser Kunst, wie inso manchen andernDingcn, die Grie-chen uusre Meister sind, so ist esnicht dem Mangel an Genie, so»,dem verschiedenen, theils natürli.che«, theils zufälligen Ursachen zu-zuschreiben, die den Griechen günsti-ger als uns gewesen sind.

Wiewol nun die Neuem würklicheinige große Bildhauer gehabt haben,so kann man doch eigentlich nicht sa-gen, daß die Bildhauerkunst jemalin den neuem Zeiten, in würklichemFlor gewesen sey: denn dazu gehörtin der That mehr, als daß etwa allezehen Jahre in irgend einer Haupt-kirchc, oder in einer großen Haupt-stadt, ein Bild von einiger Wichtig-keit, zur öffentlichen Verehrung auf-gestellt werde. Daß bey günstigenUniständen ein Michel Angelo, undauch uusre Deutsche, ein Schlüterund ein Balthasar s'ermoser, sich zuder Größe der guten griechischen Bild-hauer würden erhoben haben, daranläßt sich mit Grund nicht zweifeln.

Ein Verzeichniß derjenigen Schriftflel«ler unter den Alte», welche über Mah-lert» und Bildhauerei) geschrieben haben,findet sich bei) dem JuniuS, De piNnreVecer. Lid. II. e. z. und in LadriciiLidl. ge. IÜI>. III. c. 14. §. lo. --

Von der Theorie und Geschichteder Bildhauerei) überhaupt handeln, un-ter den Neuer», in lateinischer Spra-che:-llomponii LaUricij Oe Lculprn-ra, s. Lracuaria vec. Oial. d'Illr. 1504.8. Ancv. 1523. 8. dlor. 1542. 1690.4. und im sten B. S. 7 s; des Gronau«sehen Thesaurus, so wie Auszugsweisebey dcni VitruviuS dcS Lact. ----- U. L.tle Elberich Llor. De Lculprura UÜ1.Las >540. 8. Jtal. bei) der italienischenAufl. der Abhanhl. des leon. da Vinci

von