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stus, der wegen seines Accenks voneinem gemeinen Weib ist getadeltworden, beweist, daß in Athen dergemeinste Mensch ein Ohr und einGefühl für die Schönheiten der Redegehabt, das in Deutschland nur diewenigen Kenner haben. Noch ver-tragt das deutsche Ohr alles, so wiedas deutsche Aug, wenn es nur nichtgegen eine Nationalmode streitet.In schonen Künsten aber ist nochnichts zur Mode worden. In Athenwar eine ungewöhnliche Gcbehrdedes Redners, eine nicht ganz atti-sche Redensart, eben so anstößig,als dem deutschen Volk eine unge-wöhnliche Form des Huts wäre H.Sah das ganze Volk in Athen aufKleinigkeiten, wie viel mehr mußteder Redner in wichtigen Dingen sorg-faltig seyn.
Ein Hauptgrund, warum bey je-nen Alten, sowol alle schöne Kün-ste überhaupt, als die Beredsamkeitinsbesondere, zu einem höhern Gradder'Vollkommenheit gekommen, liegtin der öffentlichen und feierlichenAnwendung derselben, wodurch derRedner die wahre Begeisterung em-pfindet. Dieses fehlt auch in dengrößten Städten Deutschlands ganz,da selbst die Feierlichkeiten der Reli-gion alles Festliche und die Einbil-dungskraft ergreifende, verlorenhaben.
Hiezu kommt noch, daß durch wei-tere 'Ausbreitung der strengen Wis-senschaften der Verstand mehr ge-wonnen, die Einbildungskraft aberund die Empfindung viel verlorenhaben. Wir sink- in unserm ganzenBetragen trokener, kaltblütiger, be-dachtlicher geworden. Es würde ge-genwärtig jgcherlich seyn, wenn ein
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Beklagter, um seiner Vcrthcidigungmehr Gewicht zu geben, die Portrai-te seiner Voraltern in die Gerichts-stube brachte: in Rom war diesesnichts außerordentliches. Der phi-losophische Geist unsrer Zeiten fodert,daß man sich an das Wesentliche sei-ner Materie halte: dieses aber istdem Geist der Beredsamkeit entgegen.Die Vertheidigung des En. Plan-cius, die Cicero in einer langen Redeausgeführct hat, würde von den gu-ten Advocaten unsrer Zeit in zwanzigWorten vollkommen vollführet wer-den, und dem, der mehr als diesezwanzig nöthige Worte dazu anwen-den wollte, würde es übel genommenwerden. Dieser Geist der trokcnenGründlichkeit ist der Beredsamkeitganz entgegen.
Bey diesen der Beredsamkeit so un-günstigen Umständen, müssen wir unsbegnügen, wenigstens eine ganz klei-ne Anzahl Schriftsteller zu haben,(und diese hat Deutschland, wiewolerst seit kurzem) an denen man diezur Beredsamkeit nöchigen Talentenicht vermißt, und die die Hoffnungunterhalten, daß diese wichtige Kunstauch unter dem deutschen Himmelsich in ihrer Starke zeigen werde, sobald die Umstände der Nation es zu-lassen werden.
Die eigentlichen Anweisungen zurBeredsamkeit, werden sich , bey dem Art.Redekunst ffndcri. —
Unter den viele», davon allgemein han-delnden Schriften, welche, mehr oderweniger, etwas bentragen könne», denBegriff davon näher zu bestimmen — ob-gleich in den meheesten, dce mir bekann-ten, eben so, wie in dem vorher gehen-den Artikel, immer die Beredsamkeit deseigentlichen Redners, und die Beredsam-keit des Dichters, des Gcschichtschrcibers,u. s. w, in eines geworfen, oder dochnicht bestimmt von einander unterschiedenwerden sind — scheinen, nächst dem
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