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1 (1792) [A - D]
Entstehung
Seite
373
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Als man in den neuem Zeiten wie-der anficng, die Wissenschaften undKünste der Alten aus dem Staubehervor zu suchen, war die Beredsam-keit eine der ersten, die die Achtungder Neuem auf sich zog. Aus derZische der griechischen und römischenRedner entstund etwas, das man alseine Frucht der alten Kunst zu redenansehen konnte, ob es gleich nur ei-ne schwache und entfernte Achnllch-keit mit ihr hatte. Diese Wartungwar eine natürliche Folge des min-der fruchtbaren Bodens. Die Neu-em lernten die Beredsamkeit wiederhochschätzen, aber zu der Vollkom-menheit, auf welcher sie bei) den Al-ten war, konnten sie dieselbe nichtbringen; denn die großen Triebfedern,wodurch diese Kunst bcy den Altenihre Starke erhalten hatte, warennicht mehr vorhanden. Durch dieBeredsamkeit kann man in den neuernZeiten Ehre und Ansehen bcy einemsehr kleinen Thcil seiner Nation er-halten; aber politische Macht, Ein-fluß auf die Entschließungen der Re-genten, auf das Schikfal ganzerVölker, ist kaum mehr daher zu er-warten. Also wird auch ein Genie,wie Demosthencs oder Cicero gewe-sen , nicmal zu der Größe kommen,die wir an diesen Männern bewun-dern.

Das stärkste Bestreben, durch Be-redsamkeit groß zu werden, scheint inden neuem Zeiten sich in Frankreichzu äußern, wo.man durch diese Kunstsich wenigstens einen großen Namenmachen, und bcy vielen zu großemAnsehen kommen kann. Da, wo esdem Eifer für das gemeine Beste,und für die Erhaltung eines Restsder Frcyheit noch vergönnt ist, ge-gen die Unterdrükung zu kämpfen,in einigen Parlamenten, sieht mannoch bisweilen Werke hervorkommen,die selbst Athen und Rom nicht wür-den gering geschätzt haben. Es istauch in diesem Lande nicht ganz un-

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erhört, daß die Beredsamkeit, die ihreStimme blos in Schriften erhebt,von einigem Einfluß auf allgemeineStaatsentschließungen gewesen scy.Allein blos durch Schriften reden,macht nur einen Thcil der Kunst aus.Demosthencs selbst hat den mündli-chen Vortrag für den wichtigsten Theilderselben gehalten. Also können die,welche nur durch Schriften mit ihrerNation reden, die Kunst nicmal inihrer Starke brauchen.

Deutschland scheinet (es sey ohneBeleidigung gesagt) in seiner gegen-wärtigen Verfassung, ein für die Be-redsamkeit ziemlich unfruchtbarer Bo-den zu seyn. Zu sagen, daß es denDeutschen an Genie dazu fehle, wä-re ohne Zweifel eine grobe Unwahr-heit; daß aber dem Deutschen , dervon der Natur die Talente des Red-ners empfangen hat, die Triebfedern,sich zu einer gewissen Größe zu schwin-gen, ganz fehlen, ist eine Wahrheit,die niemand leugnen kann. UnsreHöft sind für die deutsche Beredsam-keit unempfindlich; unsre Städte ha-ben eine allzugeringe Anzalfl Einwoh-ner, die von schönen Künsten ge-rührt werden; und die wenigen, diedas Gefühl dafür haben, sind nichtvon dem Ansehen, um Eindruk aufdas Publikum zu machen. Wie we-nig Kraft kann also Lob oder Tadelauf ein männliches Gemüthe haben,da bcyde von so wenigen und so un-beträchtlichen Menschen herkommenkönnen? In Athen war das ganzeVolk das, was in Deutschland diekaum zu merkende Zahl guter Ken-ner ist; es hatte Gcschmak *). Diebekannte Anekdoft von Theophra-

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-) (Quorum temper tun prullens tince»rumgue juliicium, nilul ur pottenr,nili incorruprum auclire er elezans;sagt Cicero von den Atbenienscrn.Er setzt dinzu: Lorum relizioni cumtervirec Oraror, nulluni verburn in-Wiens nulluni uciiolmn ponere su-ctedac. Lic. yrac.