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1 (1792) [A - D]
Entstehung
Seite
343
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Vau

er die Cintheilungen, Proportionen,die Menge der Bedürfnisse zum Bau,die Festigkeit der Theile niemals or-dentlich bestimmen. Ohne den me-chanifchcnGeist wird er vieles schlechtangeben, den einen Thcil zn stark,den andern zn schwach machen. Oh-ne die schonen Künste, insonderheitdie Zeichnung , wird er viele Verzie-rungen entweder gar versäumen, odervon schlechtem Geschmak inachen.Ohne die Kenntniß mechanischerKünste wird er Sachen angeben, diein der Ausführung entweder unmög-lich, oder doch sehr unvollkommenseyn werden. Denn der Baumeisterist fast immer betrogen, der sich aufden Geschmak, den Verstand, oderdie Geschiklichkeit der Arbeiter ver-laßt. Er muß schlechterdings allesentweder selbst angeben, oder dochin der Ausführung mit einem wach-samen und bessernden Auge besorgen.Ohne Kenntniß der Physik wird ervieles versehen, und gegen die Ge-sundheit der Einwohner, gegen dieDauerhaftigkeit und Festigkeit desGebäudes, gegen die gure Lage inAnsehung der Winde und des Wet-ters, gegen die schnelle Abführungdes Rauchs und der Ausdünstungen,gegen die Bequemlichkeit in Absichtans Warme und Kalte, anstoßen.

Aus diesen Betrachtungen lassensich folgende Vorschriften, die denBaumeister in seinein Studircn füh-ren sollen, herleiten. Er muß zu-voderst durch Erlernung der Historieund der philosophischen Wissenschaf-ten seine Seclenkräfte fleißig übenund starken, auch sich die nöthigeGründlichkeit und Scharfsinnigkeitverschaffen. Der künftige Baumei-ster muß so gut wie der Dichter vonJugend auf in Künsten und Wissm-schaftcn geübt werden. Nachdem erdie allgemeinen Wissenschaften hin-länglich getrieben, muß er sich ins-besondre in den mathematischen Wis-senschaften gründlich unterrichten las-

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sen: sich ans das Zeichnen legen,welches er so treiben muß, als wenner ein Mahler werden wollte, damiter nicht nur dadurch einen feinen Ge-schmak für das Schone in Figurenund Zierrathen bekomme, sondern, imFall es nothig ist, dergleichen Sa-chen auch selbst angeben könne.

Wenn er sich diese vorlaufige Wis-senschaften und Künste erworben hat,so muß er seinen Fleiß vornehmlichauf die Betrachtung der vornehmstenGebäude richten, welche in den ver-schiedenen Landern von Europa zer-streut sind. Zuerst muß er die ver-schiedenen Schriften der vornehmstenBaumeister mit großeni Fleiß lesen,sich ihre Regeln bekannt machen, undnach denselben zeichnen. Hieraufschafft er sich von den Zeichnungenschöner Gebäude, Gärten und aan-zer Städte an, so viel er habhaftwerden kann. Diese betrachtet ermir einen, nachforschenden Auge, zu-erst nach ihrem ganzen Ansehen, wo-bcy er genau auf die Empfindung,die sie in ihm erwekcn, Acht habenmuß. Hernach betrachtet er iedenTheil insbesondre in seiner Verhält-niß zum Ganzen, in seiner Stellung,in seiner Figur, in seinen Verzierun-gen und in den Verhaltnissen seinerkleinen Theile, mit Zirkel undMaaß-stab in der Hand.

Bcy diesen Untersuchungen ist essehr wesentlich, daß er beständig aufdie allgemeinen Grundsätze der Bau-kunst zurüksehe, und jeden Theil desGebäudes gleichsam frage: warumbist du da? wie erfüllst du deinenEndzwek? was thust du zum Anse-hen, zur Festigkeit, zur Bequemlich-keit, zur Zierde? thust du deiner Be-stimmung vollkommen und ans daSbeste genug? Hiebe») ist es überausnothwendig, daß der Baumeister sichauch durch kein Ansehen verblendenlasse. Sieht er etwas, davon keinhinlänglicher Grund vorhanden ist,oder das seiner Bestimmung kein Ge-I) 4 nügen