Bau
man immer mehr und mehr für dieguten Verhältnisse gleichgültig, undverlor sie zuletzt ganz. Als sichnach dem Untergang des Reichs, dieGothen, Longobardcn, und hernachdie Saracenen in ihren erobertenLandern festgesetzt hatten, unternah-men sie große Gebäude, an denennur noch wenige Spuren des gutenGeschmaks übrig blieben; fast alleRegeln der Schönheit wurden ausden Augen gesetzt; desto mehr aberwurde das Muhsame, das Gezierte,das Seltsame und einigermaßenAbentheuerliche gesucht.
Mitten in dieftnZeiten des barba-rischen Geschmaks der Baukunst wur-den die meisten Städte in Deutsch-land, und die meisten Kirchen imganzen Occident gebauet, an denenwir das Gepräge einer über alle Re-geln ausgeschweiften Bauart nochitzr sehen. Diese Gebäude setzendurch ihre Große, durch die uner-meßliche Verschwendung der Zierra-theu, durch die gänzliche Vernachläs-sigung der Verhältnisse, in Erstau-nen. Doch finden sich noch hin undwieder Spuren des nicht ganz ver-loschenen Geschmaks. An der Mar-cuskirche in Venedig, die zwischenden Jahren 977 und 1071 gebauetworden, ist noch etwas von wahrerPracht und von guten Verhältnissenübrig; und in derselben Stadt ist dieKirche 8snta ivisristormosi» bcynahenoch im antiken Geschmak, iin Jahr,350, von Paulo Zbardelta gebauet.
Aus den großen Gebäuden derMittlern Zeiten, die in verschiedenenStädten Italiens noch zu sehen sind,läßt sich ziemlich deutlich sehen, wiedurch diese Zeiten sich noch immeretwas von dem guten Geschmak derBaukunst erhalten hat. Im Jahreiviz wurde die Kirche zu St. Miniatin Florenz angelegt, die in einem er-träglichen Geschmak gebauet ist; undim Jahre icnü wurde der Grundzu dem Dohm in Pisa gelegt- Der
Bau zry
Baumeister desselben war ein Griecheaus Dulichium, den die Italienerstulcbetto nennen. Die Pisaner,die damals einen großen Handel nachGriechenland trieben, ließen mar-morne Säulen von alter Arbeit da-her bringen, die an diesem Gebäudeangebracht wurden. Bcy dieser Ge-legenheit ließen sie auch MahlcrundBildhauer ausGricchcnland kommen.Um dieselbe Zeit ficng man auch inRom, Bologna und Florenz an z»bauen. Um das Jahr 1216 baucte«ein gewisser Marchione, der zugleichein Bildhauer war, die schone Ca-pelle voil Marmor in der Kirche8-mta Nsria lVIsA^lvre in Rom.
Einer der größten Baumeister dermittler» Zeiten war ein Deutscher,den man den Meister Jacob nennte.Er setzte sich in Florenz, wo er dasgroße Franciskanerkloster gebauethat. Sein Sohn, den die WelschenArnolfo Ä-apo nennen, bauete dieKirche des heiligen Kreuzes in Flo-renz, und gab die Zeichnung zu derprächtigen Kirche ai Msrur
clel ilore. Dieser starb im Jahrs
llZVO.
Die kleinen Reste des guten Ge-schmaks breiteten sich doch in diesenZeiten nicht außerhalb Italien ans.An allen den erstaunlichen Gebäudendieser Zeit, die noch itzt von dem ehe-maligen Reichthum der Niederlandezeugen, ist bey der unbegreiflichenVerschwendung der Arbeit wenig ge-sundes. Dieses muß man auch vondem Münster in Straßbnrg sagen,welches im drepzehnrcn Jahrhundertaufgeführt worden, und unter dieerstaunlichsten Gebäude der Welt ge-hört. Der Baumeister desselben war'ein gewisser lCrrvin von Sreinbacv.Dic Münsterstrche in Ulm zeiget schonSpuren eines bessern Geschmaks,und würklich ist der Porticus vordem Hauptcingang derselben von ei-ner edlen Große.
Aber