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1 (1792) [A - D]
Entstehung
Seite
298
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-98 Baß

Umfange der tiefsten Menschenstim-mc liegen. Er hat eine ordentlicheMelodie, die der begleitende Baßnicht hat: doch kann er auch bey sei-ner Melodie zugleich die Stelle desbegleitenden Basses vertreten.

Es erhellet hieraus, daß in derheutigen Musik der Baß die wichtig-ste Parthie scy, welcher alle Stim-men untergeordnet sind: eigentlichentstehen sie aus dem Basse, weilder Gesang keinen Hauprron ange-ben kann, der nicht in der Harmo-nie des Basses gegründet ist. Wennder Tonsetzer die Folge der Vaßtönegut gewählt, und die Tone der obcrnStimmen regelmäßig daraus herge-leitet hat, so ist sein Satz rein. Oh-ne Baß kann zwar ein Gesang auchviel Schönheit haben; aber durchihn wird er erst vollkommen, weilalsdcnn die Harmonie noch zum gu-ten Ausdruk des Gesanges hinzu-kommt

Der Abstand des Basses von denobern Stimmen verdienet genau über-legt zu werden. Die Erfahrung,daß mit dem Ton > zugleich die Tone,Z, ff u s. s klingen, zeiget offenbar,daß die singenden Stimmen dem be-gleitenden Baß niemal näher, als eineOctave kommen sollen, weil soirstnothwcndig die Harmonie gcstohrtwird. Wenn man z. E. im Bassedie große Terz und die Quinte desGrundtoncs noch hinzusetzen wollte:so würde jeder von diesen, so wie derGrundton selbst, noch seine Terzund seine Quinte vernehmlich hörenlassen; daher würden, wie jeder be-rechnen kann, mit der Terz undQuinte des Grundtoncs sehr dissoni-rende Töne herauskommen, und alleHarmonie zerstöhrt werden. Je tie-fer demnach die singenden oder con-certircndcn Stimmen heruntergehen,je ricfcr müssen auch alle Töne desbegleitenden Basses genommen wer-den Es ist daher eilt ungereimterFehler, wenn in Orgeln schon den

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tiefsten Stimmen auch ihre Quintenund Terzen zugefügt werden.

Hingegen muß der begleitende Baßauch nicht allzusehr von den obcrnStimmen entfernt seyn, weil dasOhr ihre Verhältnisse nicht mehr ge-nau genug faßt. Indem eine tiefeSayte klinget, vernimmt man nurihre Octave, deren Quinte und diegroße Terz der zweyten Octave ver-nehmlich, das ist, zu dem Tone » dieTöne ff, ff, ff, ff. Alle übrigen ff, ff, ffu. s. f. werden nicht mehr deutlichvernommen, ob sie gleich unfehlbarmit klingen. Wollte man also denBaß um z oder mehr Octaven vonden obern Stimmen entfernen, sowürde man der Klarheit der Harmo-nie dadurch großen Schaden thun.Will man den Gesang bis auf diehöchsten Töne gehen lassen, und den«noch einen tiefen Baß dazu nehmen,so müssen auch die dazwischen liegen-den Octaven ihre Stimmen haben,mit denen man die Harmonie deshöchsten vergleichen könne.

Aus der angeführten Erfahrungfolget auch noch diese wichtige Regelfür den Tonsetzcr, daß die nächstenStimmen am Basse in Ansehung derHarmonie weit sorgfaltiger müssenbehandelt werden, als die sehr ent-fernten, Denn die stärksten Disso-nanzen sind in einer großen Entfer-nung vom Basse von geringer Wür-kung, weil ihre Vergleichung mitdem Basse schwer wird; da hingegendie leichteste Dissonanz, die nur eineOctave über dem Basse liegt, sehrempfindlich ist.

Es läßt sich ans dem Angemerktenleicht abnehmen, daß die cinfachestenBässe die besten sind; daß ein beglei-tender Baß nur alsdenn einer Aus-zierung fähig ist, wenn etwa die obcrnStimmen inne halten; daß die ge-hakten Bässe, wo jeder Grundton,anstatt anzuhalten, damit die obernStimmen ihre Würknng gegen ihnthun können, oft angeschlagen wird,