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1 (1792) [A - D]
Entstehung
Seite
266
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Acußcrungen fühlen, was sie zu füh-len haben *).

Außer dicfen innern Fähigkeitenzum guten Ausdruk müssen auch nochandre vorhanden scyn. Es ist nichtgenug, daß der Künstler durch diePhantasie sehe, was er zu zeichnenhat; er muß das, was er sieht, auchandern sichtbar machen können. Da-zu macht ihn nur ein vollkommenesAugenmaaß und eine vollkommeneFertigkeit der Hand geschikt. Alsokönnen nur große Zeichner in jedemAusdruk glüklich seyn. Das Augemuß die klcinestcn Veränderungender Formen cntdcken, und die Handmuß sie ausbrüten können.

Dcrowcgen müssen bcydc unauf-hörlich geübt werden. Dem Anfän-ger der Kunst kann es helfen, wenner sich das zu Nutze macht, wasgute Meister über das Besondere,wodurch die Leidenschaften sich aufden Gesichtern und in der Haltungdes Körpers unterscheiden, ausführ-lich angemerkt haben. Wenn er L,eBrüns nach allen Leidenschaften cha-rakterisirte Köpfe fleißig betrachtetund zeichnet, so wird sein Augen-maaß dabei) gewinnen. Er wirdlernen, worauf er bey jedem Affektevorzüglich zu sehen habe; welche Lei-denschaft sich vornehmlich im Auge,welche in dem Munde sich äußert.Er muß sich die Bemerkungen derMeister über den Einfluß derselbenauf die Stellung und Bewegung derGliedmaaßen bekannt machen. DieGlieder unfers Körpers besitzen eineArt der Sprache. Alle Gliedmaaßenhelfen dem Redner sprechen; vonden Händen kann man bcynahc sa-gen, daß sie selbst sprechen. Kön-nen wir nicht, sagt ein Kunstrichter,mit den Händen fodern, versprechen,rufen, verabscheuen, fürchten, fra-gen, leugnen oder weigern, Freudeund Traurigkeit, Zweifel, Bekennt-nis, Reue, Maaßmnd Ziel, Uebcr-S. Leidenschaft.

Aus

fluff, Zeit und Zahl andeuten *)?Auch einzcle Muskeln des Rumpfs,besonders die an der Brust und andem Unterlcibe find, haben ihren ei-genen Ausdruk.

Alles dieses genau zu beobachten,muß des Künstlers unabläßlichcsStudium seyn. Er muß zu demEnde keine Gelegenheit vorbey las-sen, bey den Auftritten des Lebenszu seyn, wo sich die Leidenschaf-ten der Menschen am meisten äus-sern; Auftritte, wo ein ganzesVolk sich versammelt; wo er Freude,Furcht, Schreken, Andacht, in tau-send Gesichtern und Stellungen se-hen kann.

Mit dieser Vecbachtung der Na-tur verbinde er das Studium derAntiken, wo der Ausdruk am voll-kommensten erreicht, und auch inden schlechtesten Stüken nicht ganzversäumt ist. In den Werken derNeuern müssen des Michel Angelo,und fürnchmlich Raphaels, besteWerke ihm täglich vor Augen schwe-ben. Diese Werke sind durch die tief-sinnigen Beobachtungen großer Gei-ster zu der Vollkommenheit gestiegen,die wir an ihnen bewundern; sie stu-diren, erleichtert den Weg zu eben die-ser Vollkommenheit. Auch Deutsch-land kann auf einen Mann stolz seyn,der im guten Ausdruke als ein An-führer kann gebraucht werden. Die-ser ist Schlüter, dessen Verdiensteso wenig bekannt sind, und dessenWerke nur Berlin, besitzt").

Ausser

*) S. luniu; 6s xiÄura Vetsrum I,. III.

c. 4.

**) Ein verdienstvoller berlinischer Künst-ler, Herr Bernhard Rode, hat mitrühmlichem Eifer sein möglichstes gc/than, diesen großen Mann bekannterzu machen. Er hat sowol seine Lar-ven , die das berlinische Zeughaus zie-ren, als verschiedene andre Werke aufeine geistreiche Art gestzt. Möchte erdoch fortfahren, auch die übrigen grös-scrn Werke dieses fürtrcfflichen MaasncS bekannter zu machen!