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glauben noch immer, nirgends, ohne tiefeVerbeugungen irgend einer Art, weg-kommen zu können; dasAeußre dcsMcn»sehen, nicht sein innrer Werth, nichtdas, was er an und für sich selbst, son.dern das, was er durch seine bürgerliche»Verhältnisse ist, kommt noch allenthalben,auch so gar auf seinem keichensteine, zu-erst in Betracht; wir suchen nur immerunsre Höflichkeit, und sehr selten Gefühlfür moralische Würde, zu zeigen; wirwollen nie so wohl Andre als uns sselbstsehen lassen; und ein solch kleinlicher Geistwird, in keiner Sprache, eine gute Auf-schrist hervorbringen. Auch bilden wir,vergeblich, uns ein, diesem Geiste, durchdie lateinische Sprache allein, gleichsamzu entgehen, oder ihn weniger darin anTag zu legen. Schon der Gebrauch der-selben in dieser Sache beweibt, meinesBcdünkcnS, sein Daseyn. Sollte nichter, vorzüglich, uns antreiben, an Rück-sicht auf Fremde hiebe» zu denken? Undsollten wir durch die lateinische Aufschrift,oder durch ldic Vcrthcidigung derselben,nicht öfterer blos unsre Bekanntschaft mitden alten Sprachen haben an Tag le-gen, oder uns, vor dem großen Haufenunsrer eigenen Landcsleutc gleichsam Ha-ien auszeichnen wollen? Wenigstens wirdeinem großen Theil unsrer Gelehrten, undvielleicht nicht ohne Grund, vorgeworfen,daß er nur gelehrt, oder Vorzugsweise ge-lehrt seyn will; daß Gelehrsamkeit für ihnnicht blos Mittel, sondern Zweck ist.Doch der Bewcgungsgrund hiczu se» auch,welcher er wolle: die Sache selbst verrckthnur zu oft jene Eigcnthümlichkeit unsrerGeistesbildung. Nicht wenige unsrerneuern lateinischen Aufschriften sind durchsie eben so oft lächerlich und eckelhast, alsdie Deutschen matt und schaal und lang-weilig geworden; und wirken dadurch,daß sie lateinisch sind, nur um desto widri-ger. — Freylich liegt die Schuld hievonnicht in dieser Sprache selbst. Es läßtsich nicht läugnen, daß sie, vermittelstder ihr eigenen Gedrängtheit des Aus-druckes, im Ganzen, Vorzüge hiezu be-sitzt, so wie sich nicht läugnen läßt, daß
die mistige — und bcy ihr stehen zu blei-ben — vermöge der Artikel, der Zeit-und HülfSwörter, die Aufschrift leicht weit-schweifig machen kann. Aber, jenes Ver-dienst der lateinischen Sprache beruht füruns auf einer Art von Täuschung, odervielmehr cS besteht eigentlich nur darin,daß die lateinische Aufschrist deswegen we-niger Raum einnimmt. An Kürze desSinnes selbst gewinnt sie, für uns, da-durch nichts. Wir mögen nun auch sa-gen, was wir wollen: so verstehen wirsolche nur immer dadurch, daß wir sie,ob wir uns dessen gleich vielleicht selten be,wüßt sind, stillschweigend in unsre Mut-tersprache übertragen. In einer todtc»Sprache denkt, eigentlich, auch so garderjenige nicht, welcher keine einzige le-bende ordentlichreden weiß. Die bcy«den Wörter z.B. lerrium Lonlul, oderLonlul'Oerr. bestehen für uns immer ausden vieren: „zum dritten Mahle Consul,"oder wohl noch aus mchrcrn; und daseinzige'I'crminsvir heißt für uns immer«„er hat beendigt." Auf Beschränkungdieser äußern Weitschweifigkeit, oder aufSparung des Raumes/ würden wir alsobedacht seyn müssen: und was hindert nnSnun, zu diesem Zwecke, gewisse cinzcleWörter, ein für allcmahl, eben so ab-zukürzen, als die Römer deren abkürz-ten? Nicht allein mit den ^Artikeln, son-dern auch mit den mehrcsten unsrer so ge-nannten Ehrentitel — wofern ivir diesedurchaus fahren lassen wollen —' würdedieses sehr leicht, und auf eine allgemei-ne, allen verständliche Art, möglich seyn.Ist nur erst unsre Denkart berichtigt, dieSprache wird schon folgen. Diese hat sogar einige Eigenschaften, welche uns zuguten Aufschriften nöthigcn, oder dochschlechte verhüten könnten. Unsre Su-perlativen z. B. sind größtcntheils soübcl-lautcnd, daß sie Jeden, der nur ein we-nig Ohr hat, vor aller llcbcrtrcibung zubewahren vermögen. Doch sie sey dennauch weniger, als die lateinische, ge-schickt hiezu: kann durch diesen, ihrenMangel an Gcschicktheit, ihr die Schick«lichkclt dazu gänzlich genommen werden?
Würden