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1 (1792) [A - D]
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oder sittlichen Natur begreift; auchder Zuschauer muß ihn begreifen.Deßwcgen muß der Dichter biswei-len schon von weitein gewisse Sa-chen einfließen lassen, die hernachbcy der Auflosung alles begreiflichermachen. Dieses nennt man die Auf-losung vorbereiten.

Wie in der Natur kein Sprungstatt hat, so muß auch der Dichterbei) seinen Auflösungen keinen ma-chen. Laßt er eine Passion, odereine Unternehmung, für die kein gu-ter Ausweg vorzusehen war, plötz-lich einen solchen finden, so geschehees so, daß aus der Lage der Sa-chen erst nach dem Erfolg begreif-lich werde, wie die Sachen habenkommen können. Es giebt biswei-len Auflösungen, die ans Unnatür-liche gränzen, und eben deßwegensehr schön werden; weil das, wasunmöglich geschienen hat, desto leb-haftere Eindrüke macht, wenn manes würklich und aus begreiflichenUrsachen bewürkt findet. So schei-net es unnatürlich, daß ein Menschplötzlich seine Sinnesart andere,daß, er aus einem Bösewicht einrechtschaffener Mann, ans einemTyrannen ein billiger und gütigerRegent werde. Dennoch finden sichwürkliche Veränderungen dieser Artin der Natur. So hatte es ange-hen können, daß Corneille seinemTrauerspiele Rodogüne durch eineandre Auflösung einen guten Aus-gang gegeben hatte. Er hatte dieBosheit und Rachgier der Cleopa-tra auf den höchsten Gipfel kom-men lassen. Denn hatte sie durcheine Rükkchr auf die mütterlicheZärtlichkeit erst über ihr Vorhabengestutzt; dieses hätte sie zu einigemNachdenken über ihre ungeheureBosheit und endlich gar zur Renegebracht. Dergleichen Fälle sind inder Natur vorhanden. Der Dich-ter hatte sogar diese Auflösung imdritten Auftritt des vierten Aufzugs

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vorbereitet, da er die Cleopatra zumAntiochus sagen läßt:

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vv8 plcurs.kens gus je tuis msrs suprezlle vv5 lloulcui'5.

L eu etk küir, je ms renlls er m»colere cxpire,

IdoäoZune ell j, vous, sutli bleugue llemplre.

Da manBeyspielevon bcwundrungs-würdigen.Veränderungen der Sin-nesart der Menschen hat, so könntendergleichen zu Auflösungen bisweilenversucht werden.

Es verdient wegen der Comödieangemerkt zu werden, daß die Altenverschiedentlich Auflösungen gefun-den haben, die zu ihrer Zeit natür-lich waren, die es itzt nicht mehrseyn würden. Plautus und Tcrenzfinden oft die Auflösung dadurch,daß ein langst vergessener, oder fürtodt gehaltener Mensch plötzlich wie-der erscheint; daß ein Vater seinKind erkennet, das er längst verges-sen hatte. Dergleichen Auflösungensind zwar noch itzt möglich; sie müs-sen aber, um wahrscheinlich zu seyn,mit mehr Vorsicht behandelt wer-den, als jene Alten nöthig hatten,bey denen dergleichen Zufalle durchdie damals gewöhnliche Aussetzungder Kinder, durch die Sclavcrey, inwelche man durch denKricg oderMen-schcnraub fallen konnte, durch diewelligere Verbindung der Völker un-ter einander, durch Mangel derMittel, die man gegenwärtig hat,einer verlohrnen Person nachzufra-gen, viel natürlicher waren, als sieitzo sind.

"Die unnatürlichen Auflösungensind die, welche man Maschine»

nennt,