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1 (1792) [A - D]
Entstehung
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101
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schon erwähnte Gemnhlde von derVerlaumdung ist ausführlich, undgiebt uns durch mancherlei) lebhafteZüge die Schändlichkeit dieses Lasterszu fühlen. Solche Gcmähldc sindvon den Allegorien der Rede nur dar-um unterschieden, daß sie dem Augevorbilden, was die andern der Einbil-dungskraft durch Worter vorstellen.Die Anmerkung, die dem Ppchazoraszugeschrieben wird, daß in den Staa-ten, die eine Zeit lang im Wolstandegewesen, zuerst die Ucppigkeit sicheinschleicht, hierauf der Uebcrdruff,dennunnatürlicheAusschwcifungen,auf welche zuletzt der Untergang fol-get, ist schon ein Gemahlde. Der Möh-ler darf es nur aus der Einbildungs-kraft auf die Leinwand bringen.

Die dritte Gattung endlich ist diehistorische; da Begebenheiten entwe-der blos angezeiget, oder umständli-cher vorgestellt werden. Im erstenFalle entsteht die gemeine historischeAllegorie, dergleichen man so häufigauf den Münzen der Alten und Neuenantrifft; der andre Fall gicbt die hö-here historische Allegorie, zu welcherdie bekannten Gemahlde des L,eZbrün, worauf einige Thaten /Lud.rvigs XIV. vorgestellt sind, gehören.Diese Allegorie scheint das höchsteund schwerste der.Kunst zu scyn, dasnur Mahlcr vom ersten Range er-reichen. Schon in redenden Kün-sten ist dieses das schwerste, daß einegroße Begebenheit oder Handlung, ineinem merkwürdigen Gesichtspunktegefaßt, durch eine einzige Periode derRede so ausgcdrukt werde, daß wirdurch Hülfe eines Hauptbegriffsdas Besondere derselben übersehenkönnen.

Wer darum glüklich scyn will, dermuß nicht nur, wie der große Red-ner, ungemein viel zusammen zu fas-sen, sondern es noch überdies sicht-bar zu machen wissen. Darinn liegtder Grund der so sehr großen Selten-heit vortrefflicher Allegorien dieser

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Art, deren Kunst etwas naher ent-wikclt zu werden verdienet. Die al-legorische Vorstellung einer Begeben-heit hat eigentlich nichts erzählendes;denn sie stellt nicht sowol die Bege-benheit, als eine wichtige viel sagen-de Anmerkung über dieselbe vor, der-gleichen etwa große Gefchichtschrci-ber mache», da sie eine Begebenheitin einem besonders merkwürdigenGesichtspunkt vorstellen, wie es Ta-citus oft thut, als: dreves et in-faullos populi romuni sm.c>res *).Ihr Endzwek geht nicht auf die Ue-berliefcruug der Geschichte, dieseskann auf eine leichtere und bessereArt geschehen; sondern auf die Dar-stellung derselben in einem sehr leb-haften Gesichtspunkte. Dieses Ge-schafft ist für dm Geschichtfchreiberschon sehr schwer, für den Mahlerist es ein Gipfel der Kunst, den diegrößten Meister selten glüklich errei-chen. Die Geschichte, welche dabei)zum Grunde gelegt wird, muß sehrbekannt, zugleich aber entweder inihren Absichten, oder in ihren Um-standen, oder in ihren Folgen, et-was allgemein merkwürdiges haben.Dieses Allgemeine macht eigentlichdas Wesen der Allegorie aus.

In der Galleric von Düsseldorf istein Gemahlde von Raphael, das ei-nen Jüngling in dikem Gebüsche aneiner Quelle sitzend vorstellt, aus wel-cher er Wasser geschöpft, das er ineiner Schaale vor sich halt. Soweit ist dieses Stük blos historisch,und mehr kann ein gemeiner Mahlcrauch mit Titians Pinsel nicht ans-drüken. Aber Raphael wußte in die-ser einzelnen Figur hohe Gedanken,ein so erhabenes Nachdenken übereine Schaale voll Wasser auszudrü-ken, daß man in dem Jüngling Jo-hannes Oen Taufer erkennt, der inder Wüste seinen göttlichen Beruf

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*) ae!,c. .^nnal. II. 4Z.