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1 (1792) [A - D]
Entstehung
Seite
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nisvolle oder Prophetische nennenmochte, weil viele Weissagungen inselbiger vorgetragen worden. Siehalt das Mittel zwischen der leichternAllegorie und dem Räthsel, und die-net, dem Vortrag eine Feycrlichkeitzu geben. Sie laßt lins nur etwasvon dem Gegenbild merken, und stellteinen Thcil desselben in heilige Dun-kelheit. Diese Gattung schilt sichdemnach in feierliche und wichtigeHandlungen, an denen höhere We-sen Antheil nehmen. Hauptsachlichkann sie in dem hohen Trauerspielsehr gute Würkung thun.

Dieses mochten (außer der Allego-rie, die allgemeine Begriffe in han-delnde Personen verwandelt, davonhernach besonders wird gesprochenwerden) die verschiedenen Gattungender Allegorie seyn.

Die Quellen, woraus sie geschöpftwird, sind die Natur, die Sittenund Gebrauche der Völker, die Wis-senschaften und Künste: das Mittelaber sie aus diesen Quellen zu schö-pfen ist der Witz. Wie der mensch-liche Körper ein Bild der Seele ist,so ist überhaupt die sichtbare Naturein Bild der Geisterwelt; von allem,was in dieser vorhanden ist, findetsich in jener etwas ahnliches. Dievollkommenste Allegorie, die außerder Sinnlichkeit verschiedene ästhe-tische Kräfte vereiniget, biethet sicheinem scharfsinnigen Beobachter derNatur an, der nicht blos bcy demäußerlichen stehen bleibt, sondern indas unsichtbare der Körperwelt ein-dringen kann. Dieses Studium istalso dem Dichter bestens zu empfeh-len. Die neuem Geschichtsschreiberder Natur haben den unermeßlichenSchauplatz derselben uns in einerOrdnung und Klarheit vor Augengelegt, die den Alten unbekannt ge-wesen. Aber nur philosophischeDichter können auf diesem Feld ernd-ten, und ihnen wird es nicht schwerin diesem Stük die Alten weit zuüber-

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treffen. Ein neuerer Fabeldichter *)ist durch dieses Mittel in einer sosehr bearbeiteten Gattung noch einOriginal worden. Aber unsere Oden-dichrer haben wahrhaftig diese Quel-le noch nicht recht gcnutzet.

Die Sitten und Gebräuche sindfürnehmlich die Quelle, woraus dieleichtere Gattung der Allegorie, diehauptsächlich die Kürze und Faßlich-keit zur Absicht hat, kann geschöpftwerden. Von den häufigen Allego-rien des Horaz sind die meisten dahergenommen. Die Gebräuche der nochhalb rohen Völker haben insonderheitnoch sehr viel bedeutendes, das guteAllegorien darbicthet. So findetman z. B. daß die alten Eckten dieGewohnheit gehabt, indem sie einfremdes Land betraten, ihre Spießemit der Spitze vorwärts zu tragen,wenn sie als Feinde kamen, und um-gekehrt, wenn sie nichts feindlichesvorhatten. Diese Lage des Spießesbiethet sich von selbst, als eine Alle-gorie der feindlichen oder friedlichenGesinnungen dar. So hat Aescky-lus eine schöne Allegorie von der Ge-wohnheit der alten Seefahrer, dieBilder ihrer Schutzgöttcr auf demVorderthcil der Schiffe zusetzen, her-genommen

Die Wissenschaften und vorzüglichdie Künste, die blos mit körperlichenDingen umgehen, enthalten endlicheinen großen Reichthum von Sa-chen , die zur Allegorie dienlich sind.Sie sind dazu um so viel geschiktcr,je bekannter sie sind, und je leichtersie insgemein können gefaßt werden.Wer die Verrichtungen der Künstlerund die Werke der Kunst in der Ab-sicht, das, was darinn bedeutendseyn kann, zu bemerken, genau be-trachten wollte; der würde Dichternund Rednern gute Dienste leisten kön-nen. Unter unfern Dichtern sind

Hage-

H Herr Mcycr von Kllvnau.

") S. Neschows.