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1 (1792) [A - D]
Entstehung
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erstrcket*). Wo dieser Hauptfüh-rcr ihm fehlt, da hilft er sich mitandern griechischen Dichtern, Viel-leicht war seine Bescheidenheit zugroß? Man cntdeket doch ein Ge-nie in ihm, das stark genug möch-te gewesen seyn, ein Original zumachen.

Die Begebenheiten sind in derschönsten Verbindung, und folgenüberall ans einer Quelle, die derDichter keinen Augenblik aus demGesicht verlichret. In dem Planselbst herrscht cine sehr feine Kunst.Alles zichlt auf die Hoheit des römi-schen Reichs, auf die Veranstaltungder Götter, dasselbe über alle Mach-te zu erheben, und auf den bcson-dcrn Glanz des Hauses der Iulierab, welche beyde Dinge vollkommenvereiniget sind. Ohne Zweifel hatder Dichter das seinige mit betra-gen wollen, dem römischen Volkedie Herrschaft der Casaren nicht nurertraglich, sondern angenehm undverehrnngswurdig zu machen. Inso fern hat dieses Gedicht wenig mo-ralische Verdienste, und Virgil konn-te auch deswegen den Römern nie-mal das werden, was -Homer denGriechen gewesen ist. Allein wir be-urtheilen hier nicht den Menschensondern den Dichter.

Die Charaktere der handelndenPersonen cntwikcln sich in der Aeneisnicht sonderlich, und bey weitemnicht so, wie in der Jlias; woranzum Thcil die große Weitlauftigkcitder Marerie Schuld ist. Die, wel-che sich am deutlichsten entwikeln,setzen uns in keine große Bewun-

H S. Deila »a^ion poerica sti Viric. Li»»vian» l.ib. I. c. 28, Iclaciov. Larurnal.I.il>, V, er VI.

") Einige feine Beteachtungen über die-sen Dichter-, auö einem moralischenGesichtspunkt, findet man in zwei)Todrengespeclchen, welche der neue-sten Ausgabe der neuen crtllschcnBriese des Herrn Boviner» an-stcdringt sind.

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drung odcr Bewegung. Wir lernenMenschen kennen, wie die sind, mitdenen wir leben, da uns HomerMenschen vom Heldcngeschlechte zei-get. Die Reden bestehen oft aus et-was allgemeinen Sprüchen, die sichfür andre Personen eben so gutschiktcn. Schlechte und gemeine Ge-danken sind zwar nicht da, aber auchwenig ganz hohe. Man sieht garwol, daß der Dichter selbst das Mit-telmaßige der Charaktere seiner Zeitangenommen, wo das Heroische deralten römischen Tugend nicht mehrgangbar war. Die Schwachheitendieses Gedichts sind nicht Schwach-heiten des Dichters, sondern seinerZeit. Sehr selten erhebt sich ein Ge-nie über seine Zeit, und wenn es ge-schieht, so erlangt er gewiß keinenBey fall.

Im Ansdruk und in der Mechanikder Sprache ist er unverbesserlich,man wünscht bald jeden Vers aus-wendig zu behalten. Er ist kürzerim Ansdruk als Homer; ob gleichdie lateinische Sprache schwierigerwar, als die griechische, zu aller derAnmuth und Bcugsamkeit erhobenzu werden, die er ihr gegeben hat.Seine Bcywörter sind immer nach-drüklich, wählerisch, und bezeichnendie Natur der Sache genau. DieBegriffe sind enge zusammen ge-preßt, und man wird ohne Ruhefortgerissen. Ueberhanpt hat derDichter die Poesie der Sprache imhöchsten Grade der Vollkommenheitbesessen.

Seine Schildereyen erheben sichmehr durch die Höhe und den Glanzder Farben, als durch die Wahl derUmstände und durch die Höhe derGedanken. Das feinste und verbor-genste der Kunst, in jedem besonder»Thcil derselben, hatte er völlig inseiner Gewalt. Dabcy blieb er im-mer bey sich selbst, und seines Planseingedenk. DicHitzc des Genies rißihn niemals aus seiner Bahn weg.

Er