zu der ersten Ausgabe. xv
solche Veranstaltungen, wo ein ganzes Volk zusammen kommt. Unddoch — wie brauchen die Künstler diese Gelegenheiten die Gemücherder Menschen, derer sie da vollkommen Meister seyn können, zum Gutenzu lenken? Wo lebc der Dichter, der bey einer solchen Gelegenheit einganzes Volk mit Eifer für die Rechte der Menschlichkeit angestammt,oder mit Haß gegen öffentliche Verbrecher erfüllt, oder ungerechte undboshafte Seelen mit Schaam und Schreken geschlagen hat?
Es ist nur ein Mittel den durch Wissenschaften unterrichteten Men-schen auf die Höhe zu heben, die er zu ersteigen würklich im Stande ist.Dieses Mittel liegt in der Vervollkommnung und der wahren Anwen-dung der schönen Künste. Noch ist die höchste Stufe in dem Tempeldes Ruhms und des Verdienstes unbetreten; die Stufe, auf welchereinmal der Regent stehen wird, der, aus göttlicher Begierde die Men-schen glüklich zu sehen, mit gleichem Eiser und mit gleicher Weisheitdie beyden großen Mittel zur Beförderung der Glückseligkeit, die Culturdes Verstandes, und die sittliche Bildung der Gemüther, jene durchdie Wissenschaften, diese durch die schönen Künste, zum vollkommenenGebrauch wird gebracht haben.
Man wird sich nicht befremden lassen, daß ich bey dem hohen Be-griff, den ich von dem Werth der schönen Künste habe, von der Aus-breitung des guten Geschmaks an vielen Stellen dieses Werks, als voneiner Angelegenheit spreche, die der Sorge der Regenten eben so würdigist, als irgend eine andre öffentliche Veranstaltung; auch wird man mires nicht übel nehmen, daß ich den Verfall und die schlechte Anwendungder Künste als ein die Menschheit betreffendes Verderbniß beklage,und hier und da einen etwas ernsthaften Ton annehme. Entweder mußman mir zeigen, daß meine Begriffe von dem Wesen der schönen Künstefalsch und übertrieben sind, oder man muß die Folgen, die ich darausziehe, gelten lassen: stehen jene, so müssen auch diese fest stehen.
Hieraus wird man auch zugleich abnehmen, daß ich über die schö-nen Künste als ein Philosoph, lind gar nicht als ein so genannter
b Kunst-