ihrer Mitte stand ein junger Nix, der mit gefühlvoll belebtem Angesicht meineLiebeslieder deklamierte. Ein stürmischer Beifall erscholl bei jeder Strophe;die grünlockigten Schönen applaudierten so leidenschaftlich, daß Brust undNacken erröteten, und sie lobten mit einer freudigen, aber doch zugleich mit-leidigen Begeisterung: „Welche sonderbare Wesen sind diese Menschen! Wiesonderbar ist ihr Leben! Wie tragisch ihr ganzes Schicksal! Sie lieben sich unddürfen es meistens nicht sagen, und dürfen sie es einmal sagen, so können siedoch einander selten verstehn! Und dabei leben sie nicht ewig wie wir, sie sindsterblich, nur eine kurze Spanne Zeit ist ihnen vergönnt, das Glück zu suchen,sie müssen es schnell erhaschen, hastig ans Herz drücken, ehe es entflieht — des-halb sind ihre Liebeslieder auch so zart, so innig, so süßängstlich, so verzweif-lungsvoll lustig, ein so seltsames Gemisch von Freude und Schmerz. Der Ge-danke des Todes wirft seinen melancholischen Schatten über ihre glücklichstenStunden und tröstet sie lieblich im Unglück. Sie können weinen. Welche Poesiein so einer Menschenträne !' 1
„Hörst du," sagte ich zu Jadviga, „wie die da unten über uns urteilen? —wir wollen uns umarmen, damit sie uns nicht mehr bemitleiden, damit sie sogarneidisch werden /“ Sie aber, die Geliebte, sah mich an mit unendlicher Liebe und72