ohne ein Wort zu reden. Ich hatte sie stumm geküßt. Sie erblich, und ein kalterSchauer überflog die holde Gestalt. Sic lag endlich starr wie weißer Marmorin meinen Armen, und ich hätte sie für tot gehalten, wenn sich nicht zwei großeTränenströme unaufhaltsam aus ihren Augen ergossen — und diese Tränenüberfluteten mich, während ich das holde Bild immer gewaltiger mit meinenArmen umschlang —
Da hörte ich plötzlich die keifende Stimme meiner Hauswirtin und er-wachte aus meinem Traum. Sie stand vor meinem Bette mit der Blendlaternein der Hand und bat mich, schnell aufzustehn und sie zu begleiten. Nie hatteich sie so häßlich gesehn. Sie war im Hemde, und ihre verwitterten Brüste ver-goldete der Mondschein, der eben durchs Fenster fiel; sie sahen aus wie zwei ge-trocknete Zitronen. Ohne zu wissen, was sie begehrte, fast noch schlummer-trunken folgte ich ihr nach dem Schlafgemach ihres Gatten, und da lag der armeMann, die Nachtmütze über die Augen gezogen, und schien heftig zu träumen.Manchmal zuckte sichtbar sein Leib unter der Bettdecke, seine Lippen lächeltenvor überschwenglichster Wonne, spitzten sich manchmal krampfhaft wie zu einemKusse, und er röchelte und stammelte: „Vasthi! Königin Vasthi! Majestät!Fürchte keinen Ahasveros! Geliebte Vasthi /“
Mit zornglühenden Augen beugte sich nun das Weib über den schlafendenGatten, legte ihr Ohr an sein Haupt, als ob sie seine Gedanken erlauschen könnte,und flüsterte mir zu: „Haben Sie sich nun überzeugt, Mynheer Schnabelewopski?Er hat jetzt eine Buhlschaft mit der Königin Vasthi! Der schändliche Ehe-brecher! Ich habe dieses unzüchtige Verhältnis schon gestern nacht entdeckt.Sogar eine Heidin hat er mir vorgezogen! Aber ich bin Weib und Christin, undSie sollen sehen, wie ich mich räche .“
Bei diesen Worten riß sie erst die Bettdecke von dem Leibe des armen Sünders— er lag im Schweiß —, alsdann ergriff sie ein hirschledernes Bruchband undschlug damit gottlästerlich los auf die dünnen Gliedmaßen des armen Sünders.Dieser, also unangenehm geweckt aus seinem biblischen Traum, schrie so laut,als ob die Hauptstadt Susa in Feuer und Holland in Wasser stünde, und brachtemit seinem Geschrei die Nachbarschaft in Aufruhr.
Den andern Tag hieß es in ganz Leiden, mein Hauswirt habe solch großesGeschrei erhoben, weil er mich des Nachts in der Gesellschaft seiner Gattin ge-
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