deutigen Weibsbildern darf nicht geduldet werden. Nichts glich aber ihrer Wut,als eines Morgens ihr Mann im Übergeschwätze seiner Seligkeit eine begeisterteSchilderung der schönen Esther entwarf, welche ihn gebeten, ihr bei ihrer Toilettebehilflich zu sein, indem sie durch die Macht ihrer Reize den König Ahasverusfür die gute Sache gewinnen wollte. Vergebens beteuerte der arme Mann, daßHerr Mardachai selber ihn bei seiner schönen Pflegetochter eingeführt, daß dieseschon halb bekleidet war, daß er ihr nur die langen, schwarzen Haare ausge-kämmt — vergebens! die erboste Frau schlug den armen Mann mit seinen eignenBruchbändern, goß ihm den heißen Kaffee ins Gesicht, und sie hätte ihn gewißumgebracht, wenn er nicht aufs heiligste versprach, allen Umgang mit den alt-testamentarischen Weibern aufzugeben und künftig nur mit Erzvätern und männ-lichen Propheten zu verkehren.
Die Folge dieser Mißhandlung war, daß Mynheer von nun an sein nächt-liches Glück gar ängstlich verschwieg; er wurde jetzt erst ganz ein heiliger Roue;wie er mir gestand, hatte er den Mut, sogar der nackten Susanna die unsittlichstenAnträge zu machen; ja, er war am Ende frech genug, sich in den Harem desKönig Salomon hineinzuträumen und mit dessen tausend Weibern Tee zu trinken .
Zwölftes Kapitel.
Unglückselige Eifersucht! durch diese ward einer meiner schönsten Träumeund mittelbar vielleicht das Leben des kleinen Simsoit unterbrochen!
Was ist Traum? Was ist Tod? Ist dieser nur eine Unterbrechung desLebens? oder gänzliches Auf hören desselben? Ja, für Leute, die nur Vergangen-heit und Zukunft kennen und nicht in jedem Momente der Gegenwart eine Ewig-keit leben können, ja für solche muß der Tod schrecklich sein! Wenn ihnen diebeiden Krücken, Raum und Zeit, entfallen, dann sinken sie ins ewige Nichts.
Und der Traum? Warum fürchten wir uns vor dem Schlafengehn nichtweit mehr als vor dem Begrabenwerden? Ist es nicht furchtbar, daß der Leib eineganze Nacht leichentot sein kann, während der Geist in uns das bewegteste Lebenführt, ein Leben mit allen Schrecknissen jener Scheidung, die wir eben zwischenLeib und Geist gestiftet? Wenn einst in der Zukunft beide wieder in unseremyo