Druckschrift 
3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
743
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der Noten, von dein Accent unab-hänglich, und lediglich nach derDauer der Zeit abzumessen seycn.Dietem zufolge hatten die Alten nurzweyerley Eylben, lange und kurze.(Denn die sogenannten amipirox,oder gleichgültigen, waren doch inbesonder» Fallen von der einen,oder der andern Art.) Diese wa-ren ihrer Dauer nach gerade halbso lang, als jene; bcyde Arten un-terschieden sich gerade so, wie inder Musik eine halbe Taktnote vondem Viertel. Die ganze Prosodieder Alten gründete sich auf dieseGeltung der Syiben, und die me-chanische Richtigkeit des Verses kamgenau mit dem überein, was dieRichtigkeit der Abmessung des Taktsin der Musik ist.

So einfach scheinet unsere Pro-sodie nicht zu seyn; denn sie scheinetihre Elemente nicht blos von derGeltung, sondern auch von dem Ac-cent oder dem Nachdruk herzuneh-men ; so wie in der Musik eine langeNote im Aufschlag zwar eben dasZcitmaaß behalt, welches sie imNiederschlag hat, aber nicht vondemselben Nachdruk ist, und in Ab-sicht auf die Note von gleicher Gel-tung im Niederschlag, für eine kurzemelodische Sylbe gehalten wird.Unsere Dichter brauchen Sylbcn,die nach dem Zcitmaaß offenbar kurzsind, als lang; weil sie in Absichtauf den Nachdruk eine innerlicheSchwere haben, wie man sich in derMusik ausdrükt. Außerdem laßtsich auch schlechterdings nicht be-haupten, daß unsere langen Sylben,der Dauer nach, alle von einerlei)Zcitmaaße seycn, wie zum Beyspielalle Viertel - oder halbe Notendessclbigen Takts; so wie sich die-h von den kurzen nicht be-läßt.

Die alten Tonsetzer hatten nichtnäthig, ihren Noten zum Gesangein Zeichen der Geltung beyzufügen,

sie zeigten blos die Hohe des To.ncs an. Ein und eben dieselbe Notewurde gebraucht, das, was wiritzt eine Viertel - und eine Achteltakt«note nennen, anzuzeigen; denn dieGeltung wurde durch die unter derNote liegende Sylbe hinlänglich be-sianmt. Wollten unsere Tonsetzeritzt eben so verfahren, so würde esziemlich schleck)t mit unfern Melo-dien aussehen. Daher scheinet esmir, daß unsere Prosodie eine weitkünstlichere Sache sey, als die grie-chische. Es ist daher sehr zu wün.sehen, daß ein Dichter von so sei-nem Ohr, wie Klopstok, oder Rani-ler, sich der Mühe unterzöge, einedeutsche Prosodie zu schreiben. Vor-trejfiiche Beyträge dazu hat zwarKlopstok bereits ans Licht gestellt;aber das Ganze, auf deutlich ent-wikclte und unzweifelhafte Grund-satze des metrischen Klanges gebaut,fehlet uns noch, und wird schwer,lich können gegeben werden, alsnachdem die wahre Theorie des Me-trischen und des Rhythmischen indem Gesang völlig entwikelt seynwird, woran bis itzt wenig gedachtworden; weil die Tonsctzer sich blosauf ihr Gefühl verlassen, das frey-lich bey großen Meistern sicher ge.nug ist. Eine auf solche Grund-sätze gebaute Prosodie würde dennfreylich nicht blos grammatischseyn, sondern zugleich die volligeTheorie des poetischen Wolklangesenthalten. Einige sehr gute Bemer«klingen über das wahre Fundamentunsrer Prosodie wird man in derneuen Bibliothek der schonen Wissen-schaften, im ersten Stük des zehntenBandes in der Reccnsion der Ram-lerischen Oden, antreffen.

Ausser dem, von H. Sulzcr angeführ-ten Vers, einer kritischen Prosodie, vonI. H. Oeik, Frft. ,765. g. und demSchriftchcn, Ucber die deutsche Tvnmcs«Äaa 4 sung,