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Wer nur diesem nachzudenken ver-mag, wird begreifen, daß hiezu eben, so viel seltene Gaben des Genies cr-fodert werden, als zu irgend einerandern Knust, um darin groß zuwerden. Ich habe mehr als ein-mal bemerkt, daß verschiedene Per-sonen, die sich von unserm Graf,der vorzüglich die Gabe hat, dieganze Physionomie in der Wahrheitder Namr darzustellen, haben mah-len lassen, die scharfen und empfin-dungsvolle» Blicke , die er auf siewirft, kaum vertragen können; weiljeder bis in das Innere der Seele zudringen scheinet.
Wenn kann man von einem Por-trait sagen, es sey vollkommen? Ichgetraue mir nicht, diese Frage mitvölliger Deutlichkeit oder Gewißheitzu beantworten. Aber einige derhiezu norhigcn Eigenschaften einessolchen Gcmähldes will ich suchenanzuzeigen.
Das erste ist, daß die wahren Ge-sichtszüge der Personen, so wie sie inder Natur vorhanden sind, ans dasRichtigste und Vollkommenste, mitUebcrgehung des Zufalligen, dasjeden Augenblick anders ist, vermit-telst richtiger Zeichnung dargestelltwerden. Es geschieht oft, daß einMensch einige Minuten lang Zügein seinem Gesichte zeiget, die demCharakter seiner Physionomie über-haupt beynahe entgegen sind, we-nigstens ihm etwas fremdes und un-gewöhnliches einprägen. Derglei-chen muß der Portraumahlcr über-gehen. Er muß beurthcilen können,was jeder Physionomie natürlich,und so zu sagen, inwohnend, undwas vorübergehend, und etwas ge-zwungen ist. Nur jenes muß er insPortrait bringen. Dann muß dieKopfstellung, und überhaupt dieHaltung des ganzen Körpers mitdem Charakter, den das Gesicht zei-get, übereinstimmen. Jeder auf-merksame Beobachter weiß, wie rich-Dritter Theil.
tig das Gemüth des Menschen sichin der Haltung des Kopfs, in derganzen Stellung und Gcbehrdungdes Körpers zeiget. Dieses mußnothwendig mit der Pbysionomieübereinstimmen, und es würde höchstanstößig seyn, einem sanften undbescheidenen Gesicht eine freche Kopf-stellung zu geben.
In Ansehung des Colorits, hat derPorcrairmahler nicht nur die allenMahlern gemeinen Regeln der gutenFarbengebung, Haltung und Har-monie gemein, wovon hier nicht be-sonders zu sprechen ist; sondern ermuß den Ton der Farbe, und dasbesondere persönliche Colorit seinesUrbildes richtig zu treffen wissen,und ein Licht suchen, das sich dazuschiket. Einige Gesichter wollen ineinem etwas hellen, andre in ei.nein mehr gedämpften Lichte gesehenseyn; einigen thun etwas stärkere,andern kaum merkliche Schatten gut.Dieses alles muß der Mahler zuempfinden im Stande seyn. Ueber-haupt muß das Licht so gewähltseyn, daß das Gesicht sein eigent-licher Mittelpunkt ist, und die Stelledes Gemähldcs wird, ans die dasAuge immer zurück geführt wird.Das Außerordentliche in dem Lichte,so wie Rembrand es oft gewählthat, wollten wir, wenig außcror-deutliche Fälle ausgenommen, nichträchen. Darin muß man mehrVan Dyks Art studircn und nach-ahmen.
Vornehmlich muß der Portrait-mahlcr sich davor hüten, daß zwei)gleich helle, oder gleich dunkele Mas-sen im Portrait erscheinen. Dievollkommenste Einheit der Massethut dachte beste Würkung, undschafft die von Kennern so sehr ge-priesene Ruhe des Auges, die hiernöthiger, als irgendwo ist, da-mit man sich der ruhigen Betrach-tung der Gcstchtsbildung ganz über-lasse.
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