P l iPlinthe.
(Baukunst.)
Poe 707
Poetisch; PoetischeSprache.
Ein platter Untersatz, der die Grund« Poetisch nennt man jede Sache,
läge entweder eines ganzen Gebau- d,«n 'Art, oder Charakter sich zum
des, oder irgend eines andern, auf Gedicht schikt. Eine poetische Phan-
einem Fuße stehenden Theilcs macht. taste, ein poetischer Einfall, ein
In der im Artikel Ganz *) befind!!- poetischer Ausdruk. Wir haben in
che» Figur 2. ist der Untersatz des verschiedenen Artikeln dieses Werks
Gebäudes die Plinthe; und in der den poetischen Charakter, mancher-
im Artikel Acrischcr Säulenfuß **) Up Eigenschaften und Gegenstände
befindlichen Figur ist der Untersatz», betrachtet! als z. B. das poetische
die Plinthe. DerName kommt von Genie, den poetischen Stoff, die
einem griechischen Wort, das eine poetische Behandlung eines Stoffes
Platte von Ziegelstein, eine Fliese und dergleichen. Dieser Artikel ist
von gebrannter Erde bedeutet, weil der Betrachtung der poetischen Spra-
dcrglcichcn Platten unter die Füße che gewidmet, dem, was die fran-
der Säulen gelegt wurden. Jeder zosischen Kunsirichter poetie llu Kile
aufrechrstehender Körper muß einen uennen.
Fuß haben f), und der unterste Theil Man sieht überhaupt., daß sowol
des Fußes ist die Plinthe, die aber der dauernde Gemüthscharaktcr, ais
oft, wie in den meisten Häusern, der vorübergehende launige oder lci-
weun sie etwas hoch ist, den Fuß selbst denschaftliche Zustand des Menschen,
vertritt. Nicht nur, was die Römer einen merklichen Einfluß auf sinnen
Plinchus, sondern auch was die Ausdruk und seine Art zu sprechen
Jtalianer ^ocoolo, die Ztanzosen haben. Wie also die Sprache emcs
^ocle, das ist, die Sohle nennen, spaßhaften Menschen im Ausdruk
wird durchgehcnds von unfern Bau- und in den Wendungen etwas von
meistern Plinrhe gcncnnt. diesem Charakter hat, so bekommt
Man trifft die Plinthe als einen sie auch durch das poetische Genie
nothwcndigen Thefl an, unter gan- überhaupt, dann besonders durch
zen Gebäuden, an denen sie den die Art der Laune, oder der Beqeistc-
Fuß vorstellt; unter Postamenten rung, darin der Dichter sich jedes-
und Säulenfüßen, wo sie die Fuß- mal befindet, cm besonderes Gepräg,
sohle vorstellt; unter Posten und und wird zur poetischen Sprache.
Pfeilern, deren Fnß sie ausmacht; Da überhaupt der Dichter sich
und unccr Dokengeländern, unter alles starker und lebhafter vorstellt,
denen sie eine durchgehende allge- als andre Meuscheu, da seine feu-
mcine Unterlage vorstellt. Es ist rige Einbildungskraft den leblosen
ein wesentlicher Fehler, wenn einem Dingen selbst Leben giebt, so findet
Hause die Plinrhe fehlet, und die man in seiner Sprache auch diese.
Mauern unmittelbar auf der Erde Lebhaftigkeit und eine alles belebende
stehen; weil auf diese Weise dem Phantasie. Weil fem GemnlhSzu-
ganzen Gebäude sein unterstes Ende stand wahrendemDichren etwas aus->
1 fehlet ff). serordentliches hat p so hat es seine
») Ii Th. S. -s>.»») 1 Th.
s) S. Fuß, II Th. S.-S).ist) S. Ganz.
Sprache ebenfalls. Welcher Menschwurde in einer gemeinen und gewöhn-lichen Gemütbsfassung sich, wenn ersagen wollte, er verlasse den großenHaufen derer, die nach Rcichthum
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