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Plan, Kunstregel, Kunstrichter eineschimpfliche Bedeutung zu geben.Wie müssen dieses hinter die übrigenSünden unsrer Zeit rechnen, die al-lemal von Leuten begangen werden,die zwar zu viel Gefühl und Nach-denken haben, um, wie der gemeineHaufe, sich an gewohnliche Formu-lare zu binden; aber sich zu wenigMühe geben, bis auf den wahrenGrund der Dinge einzudringen, umvon dort aus, als aus dem einzigenzuverlaßigcn Augenpunkt, die Sa-chen zu übersehen.
Wer sagt, daß ein Künstler, derim Stande ist, wie etwa Shake-spcar, durch die große Wichtigkeitder Materie zu intercßiren, alle Kunsi-rcgeln verachten müsse, spricht ohnedie Sachen genugsam überlegt zu ha-ben. Nach seiner Maxime müßte ernolhwcndig die neueren Mahler ver-mahnen, etwas so steifes und kunst-niäßiges, als die Perspcktiv ist, zuverachten und wegzuwerfen, weil dieAlten, die sie nicht beobachtet haben,einzcle Figuren weit schöner und nach-drüklicher gezeichnet haben, als dieNeueren. Er müßte behaupten, daßes in vielen Antiken, wo alle zumInhalte des Gemahldes gehörige Fi-guren, ohne andere Verbindung undGruppirung auf einer geraden Linieneben einander gestellt sind, eineSchönheit mehr ist, daß alle blos aufdie Kunst gehende Regeln in solchenStükcn übertreten sind. Er müßtesagen, daß in der Musik eine Phan-tasie von einem Bach, oder Handel,mehr Werth sei), als jedes andreWerk derselben Virtuosen, wo diesiegeln des Takts und des Rhythmusauf das sorgfaltigste beobachtet sind.Er müßte endlich auch behaupten,daß ein gothisches Gebäude, dasdurch Kühnheit und Größe in Ver-wunderung setzet, mehr Werth sey,als die Rotonda, oder der Tempeldes Thcseus in Athen. Diese Fol-gen sind unvermeidlich, so bald man
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Werke von großer materieller Kraftvon allen Banden der schönen Kunstfreysprechen will.
Aber es ist Zeit, daß wir auf dienähere Betrachtung des Plans sol-cher Werke kommen. Laßt uns se-tzen , ein Künstler habe in der Ge-schichte eine Begebenheit, oder eineHandlung sehr merkwürdiger Artangetroffen, wobei) Personen vongroßer Sinnesart, Anschlage, T.ha-ten und Unternehmungen von großerKühnheit, und andre sehr wichtigeDinge von sittlicher und leidenschaft-licher Art vorkommen, und diesenwichtigen Stoff habe er gewählt, mnein Trauerspiel, eine Epopöe, oderein großes historisches Geiuählde dar-aus zu machen. Hier entstehet alsodie Frage, was er in Absicht auf denPlan dabey zu überlegen habe.
Das erste wird wol scyii, daß ersuchen wird, sich selbst über alles,was er bey der Sache fühlt, so vielals möglich ist, Rechenschaft zu ge-ben, alles darin so klar, als mög-lich, zu bestimmen ; die nächsten Ur-sacktz'n der Wurkung der Dinge aufsich zu erforschen, und dann auf denCharakter des Gegenstandes über-haupt Achtung zu geben: ob erschlechthin groß fey, und nichts,als Bewundrung erwcke, oder ob erbey der Größe eine Hauptvorstellimgdes Guten, oder des Bösen mit sichführe; ob er vorzüglich den Verstand,oder das Herz angreife, oder nur diePhantasie reize.
Dergleichen Ucbcrlegungen helfenden Hauptbcgriff und die Hauptab-sicht des Werks etwas näher zu be-stimmen; denn es wird sich dabeybald zeigen, ob aus diesem Stoff einWerk zu machen fey, darin das Pa-thetische, das Zärtliche,' das Wun-derbare, das den Verstand, oder diePhantasie, oder die Empfindung er-greift, oder irgend ein andrer Haupt-charakter herrschen werde. Nachdemnun cur Hanptcharaktcr bestimmt
wor-