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3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
650
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656 Pav

Parodi e.

(Dichtkunst.)

IRarcn bei) den Griechen scherzhafteGedichte, auch wol nur einzcleStellen, dazu ganze Verse, oder ein-zcle Ausdrille von ernsthaften Ge-dichten entlehnet, oder doch nachge-ahmt wurden. So ist das Gedichtdes Maeron, weches Athenaus auf-behalten H, worin eine Schwelgc-rcy ui homerischen, oder dem Ho.wer nachgeahmten Versen besungenwird. Es fängt völlig im Tone derIlias an: " c---

Nach des Aristoteles Bericht hat He-gemon von Thasos sie erfunden, nachdem Äthcnäus aber Hipponax. Ge-wiß ist, daß das Athenicnstsche Volkum die Zeit des Verfalles der Repu-blik dieselben ungemein gcliebet hat.Daher ist Arisiophanes voll von Pa-rodien einzeln-Verse der besten tragi-schen Dichter.

-Heinrich tLcicnne, oder Srepha-nus hat eine besondere Abhandlungdavon geschrieben, die 1575 zu Pa-ris gcdrukt ist -).

In den ncuern Zeiten haben dieParodien vorzüglich in Frankreichihre Liebhaber gefunden. Scarronhat die Aencis parodirt; aber erstlange nach ihm sind die förmlichenParodien der Tragödien aufgekom-men , eine der frevelhaftesten Erfin-dungen des ausschweifenden Witzes.Ich habe auf einer sehr gepriesenenfranzösischen Schaubühne das nichtschlechte Trauerspiel Orestes undPyladcs aufführen sehen, wobei) dieLogen und das Parterre sich ziemlichgleichgültig bezeigten. Beyde wur-den gegen das Ende des Schauspielsimmer mehr angefüllt; und gleich

veixnot. I.. IV.

->) Bcy VNII erU-lioä. und

' mir dem oben angeführten Gedichte desMatron, u. a. m.

P a

nach dein Stük wurde eine Parodievon demselben vorgestellt, wobey derganze Schauplatz äußerst lebhaft,und das Händeklatschen oft allgemeinwurde.

Man muß es weit im Leichtsinngebracht haben, um an solchen Pa-rodien Gefallen zu finden; und ichkenne'nicht leicht einen größern Fre-vel als den, der würklich ernsthaste,sogar erhabene Dinge, lächerlichmacht. Ein französischer 5cunstrich-tcr hat unlängst sehr richtig ange-merkt, daß der leichtsinnige Ge-schmak an Parodien unter andernauch dieses verursachet habe, daßgewisse, recht sehe gute Scencn desCorneille die öffentliche Vorstellungdeswegen nicht mehr vertragen.

Da der größte Theil der müßigenMenschen weit mehr zum Leichtsinn,als zum Ernste geneigt ist, so könntendurch Parodien die wichtigsten Ge-dichte und die erhabensten Schriftenüber wahrhaftig große Gegenstande,allmahlig so lächerlich gemacht wer-den, daß die ganze schönere Welt sichderselben schämte. Man sieht gegen-wärtig auch wirklich nicht geringeProben davon.

Deswegen wollen wir doch nichtalle Parodien schlechthin verwerfen.Sie sind wenigstens zur Hemmunggewisser erhabener Ausschweifungenund des gelehrten, politischen undgottesdienstlichcn übertriebenen Fa-natismus, ein gutes Mittel. Mankann kaum sagen, ob es schädlichersey, über das Edle und Große miteiner fantastischen, Einbildungskrafthinauszuschweifcn, oder mit einemunbezähmtcn Leichtsinn die Schran-ken der Mäßigung im Lustigen zuüberschreiten. Beydcs ist verderb-lich , wenn es bei) einem Volk allge-mein wird. Dieses ist nur durch diestrcngeSatyre, und jenes durch dasLacherliche zu hemmen. Auch in derGelehrsamkeit und in dem Gcschmakgiebt es. einen pedantischen Fanatis-mus,