Druckschrift 
3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
640
Einzelbild herunterladen
 

640 Ö ß i

wähnten Gesinnungen ist der herr-schende Zug in ihrem Charakter.Ihr höchstes Gut ist em ehrenvollesGrab und ein bei) demselben gesunge-nes Loblied eines Barden, das vonMund zu Mund auf die Nachweltkomme. Und doch sind diese gcborneKrieger höchst empfindsam für weib-liche Schönheit. Cm weißer weibli-cher Arm, schwarze über eine weißeBrust wallende Loten, eine schöneStimme, erwcken in ihnen ein süßes,aber dabcy sehr sittsames Gefühl.Es kommen in Oßians Gedichten die-le Sccnen der Liebe vor, immer aufdie angenehmste und sittsamste Weisebehandelt. Doch herrschet in demCharakter und in den Unternehmun-gen seiner Heldinnen der Zärtlichkeit,etwas Einförmigkeit. Sie erscheinensehr oft in der Rüstung junger Hel-den, in der sie dem Geliebten folgen.Aber höchst angenehm und überra-schend ist insgemein die Entdekung,die sie dem Geliebten zu erkennengicbt. Nur ein Paar Beyspicle hier-von, die zugleich beweisen, daß Oßianauch im Angenehmen es mit den be-sten Dichtern aufnehmen kann.

Fingal hatte seine Söhne Oßian(unfern Barden) und Toscar ansge-schikt, um an den Ufern des Crona«stroms ein Siegeszeichen zu setzen.Als sie damit bcschäfftiget waren,wurden sie von Carul, einem benach-barten Obcrhaupre, zu einem Fest ein-geladen, dabey Toscar sich in Colnado-na, des Oberhaupts Tochter, die dmGasten durch ihren Gesang undHar-fcnspicl ein Vergnügen machte, ver-liebte. Den folgenden Morgen wirdeine Lustjagd angestellt. Der Zufall,mit dein der Dichter seinen Gesaugschließt, wird von ihm also erzahlt:

Da kam uns

Aus den Gebüschen ein Jüngling entge-gen. Ein Schild und ei» Spccrschast

War sein Gewehr. O du flüchtiger Srral.'ß-rach Toscar von Lutha;

Sage, was bringt dich bichcr? Umwvhnt

in Colamon der FriedenCvlnadvna die glänzende Savtcnerwcke«

ein? EinstenSWohnte das glänzende Fräulein am was«

seereichen Colamon!Seufzte der Jüngling. Sic wohnte! dochil-t durchstreift sie die WüstenVon dem Erzeugten des Königs beglci«

tet, der ihrem Gcmüthe,Als es im Saale den Bilk oersandle,

die Fecvhelt entführt hat.Toscar flel ein: v erzählender Fremdling!

und hast du des KriegersWege bemerket? Er muß mir erlic.

gen! den wölbenden Schild, denTritt du mir ab! Er erhaschte denSchild in Erbitterung. Ein zarterBusen empörte sich hinter dem Schilde,dem Busen des Schwanes,Wenn er vom schnellere» Schwalle sichhebet, an Weiße vergleichbar.Colnadona die Saiitcncrwckcrin war es,

des HerrschersTochter. Sic warf ihr blaulichtcs Augauf Tvscarn und liebt ihn *).Diese Entdekung ist, wie manche die-ser Art bcy unftrm Barden, blo§überraschend und angenehm; folgen-de abtr höchst pathetisch:

Comal ein Schottischer Krieger liebteGalvina, des mächtigen CvnlochsZierliche Tochter, im Chore der Mäd-chen der Sonne nicht ungleich,Glänzender schwarz, als dicSchmingc desRaben von Haaren. Kein Wild bliebIhren Hunden im Jagen verborgen.

Es zischte die SehneIhres Bvgens am Winde des Haines.

Der liebenden MikeFanden sich oftmals einander. Siezo-gcn vereinet aufs Waidwcek,Ihres Geflüsters vertraulicher Inhaltwar süß und gefällig.

Aber auch Gormal, Comals Feind,liebte dieSchöne. Einstmals trafenComal und Galvina, die bepm Ja-gen

») Tolnahona.