Druckschrift 
3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
629
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Werk, das keine Nachahmung, oderrineS, das keine Copey ist. Im er-sten Sjnne kommt dieser Name denWerken zu, die einen cigenthümlichen,nicht erborgten innerlichen Charakterhaben; im andern Sinne bezeichnetman dadurch ein Werk, das von ei-nes Künstlers eigenem Genie entwor-fen, und nach seiner Art bearbeitetund nicht copirt ist, wenn es sonstgleich in dem Wesentlichen seines Cha-rakters nichts originales hat. Inder ersten Bedeutung ist z. B. Klop-stoks Bardiet ein Originalwerk, einDrama von ganz cigenthümlicherArt, von des Dichters Genie aus-gedacht: dergleichen Werke machennur Originalgeister. In dem andernSinn ist jedes Werk, dessen Urheberbey der Verfertigung seinen eigenenGedanken, wenn sie gleich Achnlichkeitmit fremden haben sollten, gefolgetist, und bey der Ausarbeitung ebennicht sorgfaltig andrer Manier genaunachgeahmet hat, ein Original. Indiesem Sinne sind alle Trauerspieledes Racine Originale; denn keinesist übersetztund in fremdem Geschmakbearbeitet, obgleich die Handlungüberhaupt, oder auch einzele Stellen,nachgeahmt sind.

Man könnte das Wort auch nochin einer dritten Bedeutung nehmen,um dadurch die Werke zu bezeichnen,die aus wahrem Trieb des Kunstge-nies, aus wirklicher, nicht nachge-ahmter, oder verstellter Empfindungentstanden sind. Nämlich, die wah-ren Originalkünstler arbeiten gemei-niglich aus Fülle der Empfindung;weil sie einen unwiderstehlichen Triebfühlen,, das, was sie würklich in derPhantasie haben, oder was sie leb-haft empfinden, durch ein Werk derKunst an den Tag zu legen. Hinge-gen geschieht es auch, daß ein Werknicht durch die Empfindung desKünst-lers, sondern durch fremde Vorstel-lung veranlasset wird, ein Werk desVorsatzes, der Ueberlegung, und

nicht ein Werk der Begeisterung ist.Jene könnte man im Gegensatz dieserOriginalwerke nennen.

Man flehet leicht, wie viel Vorzügediese Originale vor den Werken, diees nicht sind, haben müssen: sie sindwahre Aeußerungen des Genies; dadie andern Schilderungen verstellter,nicht würklich vorhandener Empfin-dungen sind. Jene lassen uns alle-mal die Natur, diese nur die Kunstsehen. Ein Dichter, der von einemGegenstand bis zur lyrischen Begei-sterung gerührt worden, und dennsingt, weil er der Begierde das, waser fühlt, auszudrüken nicht wider-stehen kann, d> htet cineOriginalode,die ein wahrer Äbdruk desZustandesseines Gemülhs ist. Ein andermalaber foderu außer der Kunst liegendeVeranlassungen eine Ode; oder er 'selbst stellt sich vor, er scy in einemFall, in einer Lage, darin er nichtist, sucht Empfindungen hervor, diedem Fall natürlich sind, die er abernicht würklich hat, und in dieserangenommenen Stellung dichtet er.Da muß frcylich ein ganz anderesWerk entstehen, das uns mehr dieKunst, als die Natur sehen laßt. Einsolches Werk ist etwas Betrügerisches,damit man uns, blos um die Kunstzu zeigen, hintergehen will.

Auch große Originalgeister inachenbisweilen solche Werke, die dennfreylich weit unter den wahren Ori-ginalen sind, die aus dem vollen Ge-fühl ausströhmen. Der schlaue Künst-ler sucht den Betrug zu verbergen,aber man merkt ihn doch. So fühltman bey der Horazischen Ode aufden Baum, und an der Ramlcrischcnauf das Geschütz, Kunst, und nichtErgießung der Natur. Es war Ho-razens Ernst nicht, so gar sehr aufdenPflanzer des Baumes zu schimpfen,wie er sich anstellt: hier ist mehrSpaß, denn Ernst. Mit völligerHeiterkeit des Gemüthes nahm derDichter sich vor, sich anzustellen, als

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