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ge Materie ihnen gleichsam in vollemSirohm zustießt; und daß sie, wenngleich die Narur mehrere ihnen ähn-liche Genies sollte hervorgebracht ha-ben, doch allemal in einigen Theilenviel Eigenes und Besonderes zeigen.Es giebt zwar auch hierin Grade,und ein solcher Originalgeist hat vordem andern mehr Mnth und Kühn-heit: daher kann es kommen, daßeinige Erfinder neuer Arten sind, an-dere sich an die Formen und Artenhalten, die sie eingeführt finden, undin diesem Punkt Nachahmer sind.So ist in der Dichtkunst Horaz einOriginalgcist, der in den Formendas Bekannte nachgeahmt hat! R,lop-istok aber hat neue Formen erfunden;tu der Musik war unser Graun un-streitig ein Originalgeist, aber er hatin den Formen nichts Neues; in derMahlercy war Raphael gewiß Ori-ginal, aber in den Formen hat er sichungleich mehr an das Gewohnlichegehalten, als Hogacrh. Man kannalso ein Originalgeift ftyn, und dochin gar viel Dingen sich nachdem Ge-wöhnlichen richten: so ist auch Vir-gil in vielen Stükcn ein bloßer Nach-ahmer, und doch ist er an Eigenemreich genug, um unter die Original-gcister geseht zu werden.
Die Originalgeister, in welchemEtük der Kunst sie es scyen, sind ausmehr, als einem Grunde, wie Aoungsich ausdrükt, unsrc großen Lieblinge,und sie müssen es auch seyn, denn siesind großeWohlthärer; sie erweiterndas Reich der Wissenschaften, undvergrößern ihr Gebiet mit eincrmeucnProvinz *); sie öffnen uns neue Quel-len des Vergnügens und neue Mi-nen, aus denen die zu Lenkung dermenschlichen Gemächer nöthigen Mit-tcl gezogen werden.
Bald jeder Originalgeist verursa-chet in dem Reiche des Geschmaks be-
») Gedanken über die Originalmcrke,S> >6. nach der zwevten Ausgabe derdeutschen Uebceschung.
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trachtliche Veränderung, die sich auchwol bis auf die allgemeine sittlicheVerfassung seinerzeit crsircken kann.Denn der große Haufen wendet sichallemal dahin, wo er die wenigenkühneren Menschen sieht, die sich neueBahnen eröffnet haben- Diese sinddie eigentlichen Führer der Menschen.So hat Durber, ein großer Origj,nalgeist, viel Völker von der gc<wöhnlichen Bahn des Glanbens undder gottcsdiensilichen Verrichtungenabgeleitet und eine neue Heerstraße er-richtet. In Sachen des Geschmakssind dergleichen Veränderungen nochviel leichter, weil da die Frcyheitdurch nichts eingeschränkt ist. Die.jenigen von unfern Dichtern, die denMuth hatten, den deutschen Versvon den Fesseln des Reims zu bc.freyen*), haben in unsrer Dicht-kunst eine wichtige Revolution veran-lasset; und Gleim, obgleich selbst einNachahmer des Anakreons, aber ge-nug original, hat eine ganz neueSchule von Dichtern gestiftet. Böd-men und Dreilingen waren auch nnrzufällige Originalkunstrichter; abersie haben dem Reich des Geschmaksin Deutschland eine ganz neue Ver-fassung gegeben. Was der Ruhmam glänzendsten hat, ist allemal dmOriginalgeistern aufbehalten; abersein bestes Kleinod gebühret denen,die in den wichtigsten Theilen daschönen Kunst original sind.
Zwar hat jedes Original etwas,wodurch es einen Werth bekommt,den die fürtrefflichste Nachahmungnicht hat; die Kunst selbst gewinntdadurch: aber die Nachahmung kannso seyn, daß die Erreichung desZweks der Kunst dadurch befördertwird, den nicht jedes Original er«reicht. Es giebt in den zeichnendenKünsten Kenner, die jedes Original-werk jeder Copey vorziehen; und sithaben recht, in sofern die Werke zum
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S. Lyrische Versacken.