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3 (1793) [K - Q]
Entstehung
Seite
616
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Indem wir also hier dieOrdnungmnd ihre Würkung betrachten, ge-schichet es blos, in sofern sie reinund von aller materiellen Kraft dergeordneten Sachen abgesondert ist,das ist, wir betrachten die reineForm der Dinge, ohne Rüksicht aufdie Materie; kurz Ordnung, nichtAnordnung: denn dieses letztereWort scheint allemal die Ordnungauszndrükcn, die in Rüksicht aufdas Materielle der Sachen bestimmtwird. Hier ist sie also gar nichts,als der Erfolg der Regel des Ne-beneinanderstehenden, oder Aufein-anderfolgenden. Bestimmt eine ein-zige einfache Regel die Folge derDinge, so bewürkcc sie das, wasinsgemein Regelmäßigkeit gcnenntwird, wie wenn Soldaten in Rei-hen und Gliedern stehen; wirdaber die Folge durch mehrere Re-geln bestimmt, so daß in der Fol-ge der Dinge mancherlei) Bedin-gungen müssen erfüllt werden, sowird der Erfolg davon schon für et-was höheres, als bloße Regelmäßig-keit gehalten; es kann Syminctrie,Eurythnüe und Schönheit darausentstehen.

Die Ordnung würkt Aufmerksam-keit auf den Gegenstand, Gefallenan demselben, macht ihn faßlich,und prägt ihm die Vorstellungs-kraft ein: das Unordentliche wirdunbemerkt, und wenn man es auchbetrachtet, so behalt man es nichtin der Einbildungskraft, weil eskeine faßliche Form hat. Aber dieWürkung der Ordnung auf die Ein-bildungskraft kann sich b>s auf ei-nen hohen Grad des Wohlgefallensund Vergnügens crstrcken; wenn sieviel Mannichfaltigkcit genau in Ei-nes verbindet, so bewürkt sie eineArt des Schönen, welches sehr ge-fallt. Man sieht sehr schöne mo-saisch gepflasterte, oder von Holzeingelegte bunte Fußboden, da blos

Orb

die Ordnung, in welcher kleine ver.schiedentlich gefärbte Drcy - undViereke gesetzt sind, eine sehr ange.nehme Mannichfaltigkcit von For-men und Verbindung bewürfet.Sogar kann durch blos reine Ord-nung schon etwas von sittlicher undleidenschaftlicher Kraft in den Ge-genstand gelegt werden. Sie kannetwas phantastisches, mber auch et-was wol überlegtes; etwas sehr ein-faches und gefälliges, aber auchetwas vcrwikeltcs und lebhaftes ha-ben. Das Spiel der Trommel, wocin Stük vom andern sich blos durchdie Ordnung der auf einanderfol-genden Schlage unterscheidet, kannallerlei) leidenschaftlichen Ausdrukannehmen. So waunichfaltig istdie Würkung der Ordnung.

Der Künstler kann also vielfachenGebrauch von dcrOrdnung machen.In einigen Werken ist sie das ein-zige Aesthctische, wodurch sie zuWerken des Geschmaks werden.So gehören viel Werke der Bau-kunst nur darum unter die Werke derschönen Künste, weil die verschiede-nen Theile des Gebäudes, die nichtdas Genie, oder der Geschmak desKünstlers erfunden, sondern dieNotbwendigkeit angegeben hat, or-dentlich neben einander gesetzt wor-den. Auch einige Garten haben vondem Charakter der Werke des Ge-schmaks nichts, als die Ordnung.In der Musik hat man auch kleineganz angenehme Melodien, die aus-ser einer sehr gefälligen Ordnungder Töne nichts Äesthetisches haben.So geben die Dichter bisweilen ei-nem epischen Vers, dessen Inhaltnichts Äesthetisches hat, durch Ord-nung der Sylbcn einen schönenKlang, wodurch er die epischeWürde bekommt. Dergleichen kom-men beym Homer nicht selten vor.Schon der niedrigste Grad der Ord-nung, ^xder die bloße Regelmäßig-